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	<description>ich.bin.deine.mutter.</description>
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		<title>&#8220;Ist das Carlo?&#8221; &#8211; &#8220;Nein, das ist bloß die Judo-Jule.&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 12:08:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Passt in keine Schublade.]]></category>
		<category><![CDATA[Treffen sich 2, sind es 4.]]></category>
		<category><![CDATA[cro]]></category>
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		<description><![CDATA[Überall sind minderjährige Mädchen mit schwarzen Tanktops und Jungs mit Baggyhosen. Fast jeder trägt einen Jutebeutel. Aufschriften: &#8220;Nerdy Terdy Gang&#8221; oder &#8220;Make Love not Warcraft&#8221;. Ich sitze mit meiner Cola ganz hinten im Raum auf einer gepolsterten Bank und beobachte in Ermangelung an Freunden die Crowd. Die Hälfte der Girls ist total hot: feine Poren, lange [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Überall sind minderjährige Mädchen mit schwarzen Tanktops und Jungs mit Baggyhosen. Fast jeder trägt einen Jutebeutel. Aufschriften: &#8220;Nerdy Terdy Gang&#8221; oder &#8220;Make Love not Warcraft&#8221;. Ich sitze mit meiner Cola ganz hinten im Raum auf einer gepolsterten Bank und beobachte in Ermangelung an Freunden die Crowd.</p>
<p>Die Hälfte der Girls ist total hot: feine Poren, lange Haare, zu enge Shirts, zu kurze Shorts. Die andere Hälfte ist Gott sei Dank übergewichtig, trägt eine zu schmale, eckige Brille und hat fisselige Locken. So sah ich früher auch aus.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/ist-das-carlo/csc_0521/" rel="attachment wp-att-2543"><img class="alignleft size-full wp-image-2543" title="CSC_0521" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/CSC_0521.jpg" alt="" width="506" height="294" /></a></p>
<p>Rockstah und Band betreten die Bühne. Alle kreischen. Aufregend! Ich packe die Ohrstöpsel aus.<br />
Die Minderjährigen sind absolut textsicher. Von vorne bis hinten, über Bridges und Hooks. Sind das Bratmaxe und Timbo da oben auf der Bühne? Vor den hunderten von Händen, die gegen die grellen Lichter Loser-Ls formen? Sehen zumindest genau so aus. Ich bin beeindruckt.</p>
<p><em>&#8220;Tötet den DJ, schreit ROFL im Club.&#8221;</em></p>
<p>Zwei Girls mit Glitzer im Gesicht hüpfen vor Freude, als ein Fast Food-Song angekündigt wird. Ich stopfe meine Stöpsel noch tiefer in die Ohren und wische mir den Schweiß von der Stirn. Hier ist Hiphop-Sauna der Extraklasse. Wie können die anderen sich nur bewegen bei dieser Luftfeuchtigkeit?</p>
<p><em>&#8220;Mach den Ladebalken. Aber ganz langsam.&#8221;</em></p>
<p>Nebelschwaden ziehen durch die Lichtkegel auf der Bühne. Der Bass wummt mir von den Füßen über das Herz bis hin in den Haaransatz. Selbst hier hinten läuft der Schweiß von den Wänden. Man sieht den Raum vor lauter Händen nicht. Ich schiebe meinen Mutter-Bling zurecht.</p>
<p><em>&#8220;Pack den Vibrator weg. Scheiß auf den harten Sex.&#8221;</em></p>
<p>Vor mir knutscht ein Pärchen. Die jungen Leute immer&#8230; Ich fühle mich alt. Ich bin alt. Immer, wenn mich einer der jungen Hüpfer komisch von der Seite anguckt, denke ich so laut ich kann: &#8220;Ich hab schon Bürger Lars Dietrich gehört, da konntest du das Wort Rap nicht mal schreiben. Und außerdem kenne ich die Band, Bitch!&#8221;</p>
<p><em>&#8220;Keiner kommt, keiner kommt, weil mich keiner mag.&#8221;</em></p>
<p>Ich fühle mich wie auf einem Klassentreffen von einer Schule, die ich nie besucht habe. Ich ziehe in einem Rutsch so viel Cola durch den Strohhalm, wie nur irgend möglich. Dann rülpse ich in mich hinein.</p>
<p>Auf einmal schubsen sich neben mir zwei Mädchen in abgeschnittenen Jeansröcken. Ich freue mich und gucke. Wenn auch nicht ganz ohne Angst, gleich ebenfalls gehauen zu werden. Egal. No Risk, no Fun.<br />
&#8220;Verpiss dich mal, Mann, du Bitch!&#8221;, schreit die eine. Die andere guckt bloß angewidert und schweigt. Dann beeft die erste in die Runde: &#8220;Die dumme Fotze hat mir voll eine mit Absicht gehauen, Alter.&#8221; Ihre Stimme überschlägt sich. &#8220;Hure, ey. Hure!&#8221; Mit dem Finger piekt sie bei jedem &#8220;Hure&#8221; gefährlich nah in die Luft vor den Augen der Hure. Hure!</p>
<p>Dann kommt ein liebes Kind mit Hoodie und Pandabärengesicht auf die Bühne. Die Mädchen lassen voneinander ab und zücken ihre Handykameras.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/ist-das-carlo/bildschirmfoto-2012-05-14-um-13-51-13/" rel="attachment wp-att-2525"><img class="alignleft size-full wp-image-2525" title="Bildschirmfoto 2012-05-14 um 13.51.13" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2012-05-14-um-13.51.13.png" alt="" width="244" height="303" /></a></p>
<p><em>&#8220;Hi Kids, ich bin Carlo.&#8221;</em></p>
<p>Ich fühle mich nicht angesprochen. Der Rest der Crowd schon. &#8220;Hallo!&#8221;, brüllen sie dem Panda mit den Armen zur Decke gehoben zu. Mir ist heiß. Ich gehe zur Bar und bestelle noch eine &#8220;Crola&#8221;. Weil ich es witzig finde. Glücklicherweise geht dieser Schenkelklopfer irgendwo zwischen hüpfenden Mädchen und Bässen unter.</p>
<p><em>&#8220;Ab jetzt wird alles easy.&#8221;</em></p>
<p>Inzwischen habe ich ein Pornoshirt abgegriffen und fühle mich ein kleines bisschen integrierter als vorhin. Kennen tue ich immer noch keinen. Zum Schluss gibt es eine grobe Konfettiexplosion in Pastell. Das ist mir natürlich was.</p>
<p>Nach dem Konzert sitze ich auf einer Couch im Raucherraum. Neben mir versucht das betrunkenste Mädchen der Welt, ihren Kopf aufrecht zu halten. Ich warte darauf, dass die Menschen, die ich kenne, mich hier endlich aufgabeln. Sam kommt vorbei und zeigt seine neue Dauerwelle. Schon mal ein guter Anfang.</p>
<p>Dann ruft Timbo an. Im Hintergrund kreischen Mädchen. &#8220;Ist das Carlo?&#8221;, wollen sie wissen. &#8220;Nein, das ist bloß die Judo-Jule&#8221;, höre ich Tim sagen. Dann kreischen sie nicht mehr. Wie unfreundlich. Wissen die denn nicht, wer ich bin? Dass ich mal von den Porn Rhyme Killaz gefeatured wurde?</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/ist-das-carlo/bildschirmfoto-2012-05-14-um-13-39-03/" rel="attachment wp-att-2507"><img class="alignleft size-full wp-image-2507" title="Bildschirmfoto 2012-05-14 um 13.39.03" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2012-05-14-um-13.39.03.png" alt="" width="627" height="121" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Später treffe ich zwischen Helium und  Wopfel den Panda. Dieses Mal ohne Maske. Es ist ein kleiner Typ, so an die 40, mit Bäuchlein. Außerdem ist er Italiener, hat zusammengewachsene Augenbrauen und lichtes Haar. Girls, der könnte euer Vater sein. Nehmt lieber diesen einen Boy aus der Parallelklasse.</p>
<p>Und auf der Bühne wirkte er immer so athletisch. Unfassbar, was so eine Maske ausmacht&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>PS: Like meine <span style="color: #3366ff;"><a href="http://www.facebook.com/MyMagicTypewriter" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">FB-Page</span></a></span>. Danke.</p>
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		<title>U8 und die Leinestraße &#8211; Gefahren, Gerüche, Geschissenes.</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 09:15:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Brauner Salon und Umgebung.]]></category>
		<category><![CDATA[gestank]]></category>
		<category><![CDATA[leinestraße]]></category>
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		<category><![CDATA[u8]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute möchte ich weg von den üblichen Themen (Männer, Kühlschränke, Waxing) und hin zu etwas mehr Kultur. Deswegen habe ich mir ein geschichtsträchtiges, öffentlich zugängliches Bauwerk ausgesucht und es auf seine Bedeutung in der heutigen Zeit erforscht – den U-Bahnhof Leinestraße. Namensgebung: Angeblich ist die Leine ein Fluss in Niedersachsen und deshalb Namenspatron des Bahnhofes. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute möchte ich weg von den üblichen Themen (<span style="color: #3366ff;"><a title="Checkliste für brauchbare Männer" href="http://mymagictypewriter.com/checkliste-fur-brauchbare-manner/"><span style="color: #3366ff;">Männer</span></a></span>, <span style="color: #3366ff;"><a title="Kühlschrank – eine WG-Bewohnerin zieht Bilanz." href="http://mymagictypewriter.com/kuhlschrank-eine-wg-bewohnerin-zieht-bilanz-cathi-kramer-im-exklusiven-interview/"><span style="color: #3366ff;">Kühlschränke</span></a></span>, <span style="color: #3366ff;"><a title="Wax and the City – die Pobacken-Konspiration." href="http://mymagictypewriter.com/wax-and-the-city-%e2%80%93-die-pobacken-konspiration/"><span style="color: #3366ff;">Waxing</span></a></span>) und hin zu etwas mehr Kultur. Deswegen habe ich mir ein geschichtsträchtiges, öffentlich zugängliches Bauwerk ausgesucht und es auf seine Bedeutung in der heutigen Zeit erforscht – den U-Bahnhof Leinestraße.</p>
<p><strong>Namensgebung:<br />
</strong>Angeblich ist die Leine ein Fluss in Niedersachsen und deshalb Namenspatron des Bahnhofes. Jeder, der sich ein bisschen in Neukölln auskennt, weiß aber, dass es sich hierbei um einen Reminder für alle Hundebesitzer à la „Alter, nimm deinen scheiß Dobermann an die Leine“-Straße  handelt.</p>
<p><strong>Historie:<br />
</strong>Der U-Bahnhof Leinestraße ist eine Station der U8 in Neukölln. Er wurde 1929 nach einer Bauzeit von zwei Jahren eröffnet und wird im Bahnhofsverzeichnis der BVG mit L abgekürzt. Diese sachliche Perle der Berliner Verkehrsbetriebe war bis 1996 Endbahnhof der U-Bahnlinie 8, erst dann erfolgte die Erweiterung bis zum heutigen Endbahnhof Hermannstraße. Im 2. Weltkrieg wurden die Tunnelanlagen als Luftschutzbunker genutzt.<br />
Der Bahnhof ist nicht barrierefrei (für alle Krückengänger wie mich also diesbezüglich eher unangenehm) und blieb seit seiner Eröffnung nahezu unverändert. Deswegen regnet es auch immer rein.<br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Handel:<br />
</strong>Im Bahnhof Leinestraße findet unheimlich viel kultureller Austausch statt. Vor allem, wenn es um Drogen geht. Denn hier ist ein Unique Selling Point für Substanzen aller Art. Meist im Mund transportiert passieren die Übergaben in Sekundenbruchteilen und können von Laien auch durchaus mit einem „Ich hab da was zwischen den Zähnen klemmen“ gefolgt von einem coolen Handshake zweier Lederjackenträger verwechselt werden. Nach jeder aus Versehen bemerkten Übergabe sieht man sich selbst mit Messer im Rücken oder im Zeugenschutzprogramm der hiesigen Polizei. Am liebsten trage ich persönlich deshalb tagsüber ein Shirt mit der Aufschrift „No worries &#8211; ich kann mir wirklich keine Gesichter merken.“</p>
<p><strong>Marketing:<br />
</strong>Die grünen Hintergleis-Werbeflächen sind alle leer. Das macht natürlich stutzig. Wird hier keine kaufkräftige Community erwartet? Sind die Neuköllner es etwa nicht wert, beworben zu werden? Für nur 5-15 Euro am Tag könnt ihr eine solch verrottete Fläche übrigens mieten. Weitere Infos gibt es auf <span style="color: #3366ff;"><a href="http://www.draussenwerber.de/"><span style="color: #3366ff;">www.draussenwerber.de</span></a></span>.<br />
Eine Firma hat sich jetzt getraut, diesen attraktiven Standort für sich zu nutzen: Picaldi.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-2432" title="l" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/l.jpg" alt="" width="432" height="305" /></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Schriftzug:</span> Picaldi – Protect the Original. (Im Bild zu sehen ist ein anderes Meisterwerk aus dem Hause.)<br />
<span style="text-decoration: underline;">Protagonisten:</span> Drei junge Männer mit Migrationshintergrund, die einen Basketball tragen und Jogginganzüge in Weiß und Hellgrau mit großen Logos. Außerdem: Zwei tussige Mädchen mit viel zu kurzen Jeansröcken.<br />
<span style="text-decoration: underline;">Setting:</span> Eine abrissreife Fabrikhalle. Edgy!<br />
<span style="text-decoration: underline;">Nachbearbeitung:</span> Hier wird im wahrsten Sinne des Wortes polarisiert. Der digitale Effekt, der auf dem Hintergrund liegt, verdient ein Eins A mit Sternchen.<br />
<span style="text-decoration: underline;">Trivia:</span> Das Label selbst warb zeitweise mit dem Claim: „Nix Aldi &#8211; Picaldi“ und verdient schon alleine deswegen fette Props. Schön, dass du in Neukölln bist.<br />
<strong><br />
Publikum:<br />
</strong>Das ist neben Crime-Faktor die eigentliche Stärke des Bahnhofs. Hier geben sich Obdachlose, junge Mütter, Türken, alt-berliner Originale und Hipster die Hand. Wenn man einen Menschen sieht, den man als generell überlebensfähig einstuft – nickt man ihm in der Regel kurz und anerkennend zu – so wie Europäer in Japan erkennt man sich hier an Styling und Aussprache.<br />
Mit einer derzeitigen Gehbehinderung fühle ich mich erstmalig völlig integriert ins Bahnhofsgeschehen. Während ich die Treppe hinunterhumple, grüßt mich eine Oma, die sich gerade nach oben müht. Mit Turnschuhen, Jogginghose und der royalblauen Gehhilfe sehe ich aus wie der Durchschnittsneuköllner. Ein junger Türke lässt mir den Vortritt in die U8. Wenn ich die Krücken nicht mehr brauche, werde ich sie vielleicht trotzdem noch benutzen. Die öffnen Tor und Tür in die Herzen aller sozialen Schichten. Nur einen Fahrstuhl bräuchte ich noch zu meinem Glück. Die Treppen gehen echt gar nicht. Zur Not werde ich einfach immer etwas hinken&#8230;</p>
<p><strong>Flirtfaktor:</strong><br />
Volle Punktzahl auf dem Flirtbarometer. Hier bleibt man nicht lange alleine. Und die Auswahl ist riesig! Vom Besoffenen, der gerne seine Flasche teilen würde, bis zum 10-Jährigen mit Bock auf Analverkehr, ist alles dabei.</p>
<p><strong>Interieur:<br />
</strong>Die Wände und Säulen sind mit Keramik-Fliesen verziert, die von der Richard Blumenfeld Veltener Ofenfabrik AG angefertigt wurden. Grün, die Farbe der Hoffnung. Toll. Wofür aber dieses blasse Pantone 579 steht, bleibt eines der Geheimnisse des Charakterbahnhofs.<br />
Sprühtechnisch haben zwei Fraktionen das Gelände in fester Hand: die Neukölln Hustlers und Ficka 94. (Ist das etwa sein Geburtsdatum???)<br />
Die einzigen Sitzmöbel stellen massive graue Bänke aus Holz dar. Definitiv zu schwer zum Wegtragen. Ohne jegliche Abtrennung vom Nachbarn laden sie zum Kuscheln ein – wer keinen Partner hat, findet ersatzweise Spucke, Bierdosen, Zigaretten und Hunde. Mit einem schönen Doppelkorn kann man sich hier mit dem/der/den Liebsten an einem Samstag Abend niederlassen und einfach mal gucken. Denn die Coke Opera läuft  jeden Tag.</p>
<p><strong>Multimedia:</strong><br />
Der Internetempfang im Bahnhof ist erbärmlich. Da kann man lange versuchen Google zu laden&#8230; Im Treppenhaus nördlicher- und südlicherseits brechen bestehende Telefonverbindungen ausnahmslos ab. Damit bin ich nicht einverstanden. Wie gründet man noch mal eine Bürgerinitiative?</p>
<p><strong>Gesamt-Experience:<br />
</strong>Auch wenn es an Shoppingmöglichkeiten eindeutig mangelt, punktet der U-Bahnhof Leinestraße klar auf (zwischen)menschlicher Ebene. Es zählen keine Äußerlichkeiten, hier wird noch auf die inneren Werte &#8211; Weirdness &amp; Promille im Blut &#8211; geachtet. Die Stammkundschaft hat dabei keine Angst vor großen Gefühlen. Endlich ein Ort, an dem man so sein kann, wie man ist.<br />
Eine Oase, die zum Verweilen und Gentrifizieren einlädt. Erfrischend unprätentiös mit dem nötigen Crime-Faktor für den kleinen Kick/Schuss zwischendurch. Unbedingt empfehlenswert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Gerüche:<br />
</strong>Die Gerücheküche brodelt in der U8 angeblich besonders gnadenlos. Hört man ja immer wieder. Zeit, den Weg zur Arbeit für eine fundierte Geruchsanalyse zu nutzen. Febereze-Frische versus Stinkbombe.</p>
<p>Ich platziere mich auf dem Arbeitsweg von Neukölln nach Mitte strategisch geschickt am Gangplatz einer Vierer-Sitzgruppe. Alles besetzt mit recht durchschnittlich anmutenden Fahrgästen. Ich nehme eine volle Nase. Um ehrlich zu sein, rieche ich aber nur meine eigene Handcreme. Weleda-Sanddorn. Wo sind denn jetzt Urin, Schweiß und billige Aftershaves? Ich bin etwas enttäuscht. Duschen die meisten Neuköllner also doch? Sollte ich am End selbst die einzige Geruchssensation bleiben? Dieses Sanddorn ist aber auch aufdringlich. Na, vielleicht habe ich morgen mehr Glück. Oder vielleicht nachts. Wer trägt um neun Uhr morgens schon Schweiß und Döner? Ich bleib dran.</p>
<p>Ich fahre und fahre und fahre. Tagelang. Wochenlang. Meine stinkenden Gelüste werden ignoriert. Es riecht mindestens so gut wie in der U6 oder U7. Plus Sanddorn. Das Vorurteil, man könne ohne Mundschutz kaum in die U8 steigen, bleibt unbewiesen. Ein einziges Mal in zwei Monaten zieht ein Penner durch die Reihen und verbreitet einen Gestank, dessen Zusammensetzung mir ein Rätsel bleibt. Ich tippe auf eine Kopfnote von Schweiß, eine Herznote von Schnaps und eine entschiedene Basis aus Scheiße.<br />
Aber zählt das? Reicht das, um den Ruf der U8 zu bestätigen? Ich finde nicht.</p>
<p><strong>Fazit:<br />
</strong>Alles, das in der U8 aufdringlich riecht, sind ich und meine Handcreme. Ich entschuldige mich hiermit bei allen Fahrgästen für die Unannehmlichkeiten der letzten Jahrzehnte – auch generell für alle Zugverspätungen, winterbedingten Ringbahnausfälle und kaputten Fahrkartenautomaten. Ich gelobe, altruistisch wie ich bin, ab nun an nur noch ph-neutrale Deokristalle zu benutzen und meine Hände mit Vaseline einzucremen.</p>
<p>Hiermit erkläre ich die geruchslose U8 für eröffnet!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>PS: Like <span style="color: #3366ff;"><a href="https://www.facebook.com/MyMagicTypewriter" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">MyMagicTypewriter. </span></a></span>on Facebook.</p>
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		<title>Das Für und Wider von Krücken im Alltag.</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 12:29:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Achtung! Mädchenkrams.]]></category>
		<category><![CDATA[Ein schönes Bad in Selbstmitleid.]]></category>
		<category><![CDATA[bein]]></category>
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		<description><![CDATA[Pro: 1. Der Sitzplatz in der vollen U-Bahn ist einem quasi garantiert. 2. Man trainiert Brustmuskeln, die sonst eher nicht bewegt werden. Das so wichtige Gewebe wird auf lange Sicht gestrafft. 3. Ohne Murren wird man durch die Gegend gefahren. Mit Autos. 4. Wenn man einen Tee an den Schreibtisch geliefert kriegen möchte, ruft man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pro:</strong></p>
<p>1. Der Sitzplatz in der vollen U-Bahn ist einem quasi garantiert.</p>
<p>2. Man trainiert Brustmuskeln, die sonst eher nicht bewegt werden. Das so wichtige Gewebe wird auf lange Sicht gestrafft.</p>
<p>3. Ohne Murren wird man durch die Gegend gefahren. Mit Autos.</p>
<p>4. Wenn man einen Tee an den Schreibtisch geliefert kriegen möchte, ruft man den Chef im Nebenzimmer an.</p>
<p>5. In Downtown Neukölln fällt man mit der Gehbehinderung plötzlich nicht mehr so doll auf.</p>
<p>6. So lange man von der Hüfte aufwärts einigermaßen gepflegt aussieht, kommt man in Meetings gut mit Jogginghose und Turnschuhen durch.</p>
<p>7. Man wird mehr umarmt, an der Wange gestreichelt und es wird öfter nach dem Befinden gefragt. Auch das Telefon klingelt häufiger. So erfolgreich war ich mit Migräne nie.</p>
<p>8. Wenn man im Club jemanden für einen Drink zur Bar schickt, muss man meistens nichts bezahlen.</p>
<p>9. Der Muskelkater vom Rumkrücken lässt einen die Schmerzen im Bein sofort vergessen.</p>
<p>10. Neben einem Hund sind Krücken <em>der</em> Eisbrecher schlechthin. Egal ob beim Bäcker, in der Bahn oder beim Spinning im Fitnessstudio.</p>
<p>11. Wenn man bei Facebook ein Bild von sich selbst aus dem Krankenhaus postet, kriegt man voll viele Kommentare.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Contra:</strong></p>
<p>1. Es gibt verdammt noch mal nicht genügend Fahrstühle auf dieser Welt, um den Gebrauch von Krücken zwischen zwei Beinverletzungen zu rechtfertigen.</p>
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		<title>Nur für den Klick für den Augenblick.</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Mar 2012 18:05:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Selbstversuch of Death.]]></category>
		<category><![CDATA[Teh Interwebs.]]></category>
		<category><![CDATA[x]]></category>
		<category><![CDATA[abstinenz]]></category>
		<category><![CDATA[deaktivierung]]></category>
		<category><![CDATA[facebook]]></category>
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		<category><![CDATA[sucht]]></category>

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		<description><![CDATA[-&#62;  Samstag, 11. Februar Ich bin bei M. zu Hause. M. benutzt Facebook täglich. Auf seinem Home Screen sehe ich an die 70 rote Notifications glitzern. Sofort überkommt mich der Drang nachzusehen, was sich hinter dem kleinen Tor des Glücks verbirgt. M. selbst bleibt beim Anblick zen-artig unbeeindruckt. Ich: &#8220;Wow. Bei dir geht’s ja ab.&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>-&gt;  <strong>Samstag, 11. Februar</strong></p>
<p>Ich bin bei M. zu Hause. M. benutzt Facebook täglich. Auf seinem Home Screen sehe ich an die 70 rote Notifications glitzern. Sofort überkommt mich der Drang nachzusehen, was sich hinter dem kleinen Tor des Glücks verbirgt. M. selbst bleibt beim Anblick zen-artig unbeeindruckt.</p>
<p>Ich: &#8220;Wow. Bei dir geht’s ja ab.&#8221;<br />
Er: &#8220;Wieso? Was ist das?&#8221;<br />
Ich: &#8220;Deine<em> Notifications</em>???&#8221;<br />
Er: &#8220;Ach so. Ja. Checke ich nie.&#8221;</p>
<p>Ich lasse das Thema fallen. Das muss ich erst verdauen. Es gibt also Menschen, für die Benachrichtigungen keinen Punkt darstellen, der sofort und ohne Umwege vom Mauszeiger angepeilt werden muss? Resistenz gegen den schlimmsten Schlüsselreiz der Neuzeit? Ich bin beeindruckt und fühle mich schwach zugleich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-&gt;  <strong>Mittwoch, 15. Februar</strong></p>
<p>Ich habe ein neues Facebook-Plugin. Es ist eventuell ethisch fragwürdig, aber so lange nur ich es habe, sehr brauchbar. Ich kann sehen, wer sich wann de- und reaktiviert oder mich komplett aus der Liste der Freunde löscht. Erst durch dieses kleine Tool wird mir bewusst, dass sich einige Menschen in der einen Woche abmelden und in der nächsten wieder zurückkommen. Vielleicht ist die vorübergehende Deaktivierung ab und zu sinnvoll? Beim Gedanken daran beginne ich unter den Armen zu schwitzen. &#8216;Ich könnte natürlich jederzeit abschalten. Ich <em>möchte</em> nur gerade nicht.&#8217; Hmm, genau&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-&gt;  <strong>Sonntag, 19. Februar</strong></p>
<p>In einem Café treffe ich F. Dieser beklagt sich über seine kurze Aufmerksamkeitsspanne und den minütlichen Drang das Telefon zu checken. Lernen ist überhaupt nur noch in einer öffentlichen Bibliothek möglich. Mir geht es ähnlich. Da ich in diesem Café schreiben möchte, lasse ich mir bewusst nicht das Wifi-Passwort geben. Ich bin nicht stark genug an einem Rechner zu arbeiten, an dem auch ein Facebook-Fenster studiert werden könnte. Trotzdem ertappe ich mich etwa alle fünf Minuten dabei, wie ich auf dem Touchpad in Richtung Chrome unterwegs bin. Kurz vor Klick merke ich, dass ich eh kein Internet habe. Ein Gedanke, der Unbehagen auslöst. Jetzt nicht mein Handy zu missbrauchen, verlangt mir alles ab.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-&gt;  <strong>Montag, 20. Februar</strong></p>
<p>&#8220;Ich muss mehr Yoga machen und weniger Facebooken&#8221;, schreibt mir C. Sie zieht das Thema Deaktivierung schon seit einiger Zeit in Betracht, traute sich aber nie. In <img title="Bildschirmfoto 2012-02-20 um 16.33.57" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2012-02-20-um-16.33.57.png" alt="" width="422" height="173" />einer starken Sekunde schlage ich vor, dass wir es einfach tun. Yoga gegen Facebook. Ob ich es ernst meine, weiß ich selbst nicht. Dann schickt C. mir einen Screenshot von ihrer Abmeldebestätigung. Es ist zu spät. Ich muss nachziehen. Jetzt nicht nachdenken, sondern einfach machen.</p>
<p>Das Deaktivieren ist komplizierter als erwartet. Ich muss meine Gruppen und Seiten anderen Administratoren und meine Apps anderen Developern anvertrauen, mein Passwort eingeben, bestätigen, verdrehte, komplett unleserliche Buchstaben identifizieren und nachtippen. Außerdem werden mir Bilder von meinen engsten Freunden vorgesetzt. &#8220;Annelie Jasmin wird dich sicherlich sehr vermissen.&#8221; Die Schweine, ey. Je länger der Prozess dauert, desto weniger möchte ich es durchziehen. Aber ich schaffe es. Ich klicke den finalen Button in die Einsamkeit. Und zack – raus bin ich.</p>
<p>Eine Weile starre ich auf den Bildschirm. Ich habe es wirklich getan. Hätte ich jemandem bescheid sagen sollen? In einem umnachteten Moment denke ich tatsächlich: ‚Ich könnte es bei Facebook posten!’<br />
Ach nein. Könnte ich nicht.<br />
Nicht, dass jetzt 600 Leute denken, mir sei etwas zugestoßen. Ob es überhaupt jemand merkt? Ob jemand mir schreiben oder mich stalken will? Ob jemand mitkriegt, dass etwa die Hälfte aller Fotos im Netz verschwunden sind? Ob jemand meinen Namen in einem Kommentar verschlagworten möchte und dann denkt, das @ sei kaputt?</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://mymagictypewriter.com/nur-fur-den-klick-fur-den-augenblick/bildschirmfoto-2012-02-20-um-16-41-56/" rel="attachment wp-att-2019"><img class="aligncenter size-full wp-image-2019" title="Bildschirmfoto 2012-02-20 um 16.41.56" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2012-02-20-um-16.41.56.png" alt="" width="638" height="184" /></a></p>
<p>Später schreibt mir A. bei Whatsapp: &#8220;Jule, was hat es mit deinem FB Hiatus auf sich? Schick mir ne Mail.&#8221; Im selben Moment schreibt auch J.: &#8220;Wasndalos???&#8221; Dann flattert eine Email von R. rein: &#8220;Sag mal, spinnst du?&#8221;<br />
Ich bin ruhig. Innerlich. Den Rest des Tages klicke ich nur einmal auf den Browser, um sofort zu merken, dass es dort nichts Spannendes gibt. Das Foto von H. und mir beim Lunch würde ich gerne posten. Ich verschiebe es auf nach meine Rückkehr.<br />
Abends esse ich Brote, während ich in der Kinderbibel blättere. Dann wasche ich ab, mache eine Runde Yoga und bespreche vegane Kuchenrezepte mit C. Um halb elf bin ich abgeschminkt und im Bett. Da ich nichts mehr bei Facebook zu checken habe, schlafe ich einfach sofort ein. Dingdingding Jackpot?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-&gt;  <strong>Dienstag, 20. Februar</strong></p>
<p>Mein Handyakku hält und hält und hält. Ich nehme das Telefon morgens von der Steckdose und haben ABENDS IMMER NOCH STROM! Ich fühle mich wie zu Zeiten des Nokia 3310. Es eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten. Vielleicht übernachte ich sogar mal woanders?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-&gt;  <strong>Mittwoch, 22. Februar</strong></p>
<p>Ich sitze vor dem Laptop. Aus Ermangelung an sinnvollen Tätigkeiten eröffne ich ein Tagesgeldkonto und überweise mir selbst feierlich 100 Euro. Über die werde ich mich mal sehr freuen, wenn ich 50 und arbeitsunfähig bin. Und wo wir schon mal beim Thema Geld sind, könnte ich auch gleich noch welches ausgeben. Ich gehe zu Amazon und klicke eine Yogamatte, einen Bauchmuskeltrainer (wtf?) und eine elektrische Zahnbürste in meinen Einkaufswagen. Gewöhnlich besuche ich vor dem Amazon/Asos/Zalando-Checkout noch mal Facebook, werde abgelenkt, in ein Kommentarfeuerwerk verwickelt und der Kauf kommt nie zustande. Jetzt ist alles anders. Bauchmuskeln &#8211; here I come!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-&gt;  <strong>Donnerstag, 23. Februar</strong></p>
<p>&#8220;Facebook ist kaputt. Ich kann dir nicht schreiben.&#8221; Mir fällt auf, dass die Unerreichbarkeit meiner Person auf Facebook eher auf ein Versagen der Technik zurückgeführt wird, als darauf, dass ich freiwillig auf mein Profil verzichtet haben könnte. Zweiter Gedanke der Verlassenen: Die muss ein psychisches Problem haben. Wahrscheinlich wurde sie gerade von nem Typen betrogen und steht kurz vorm Suizid, der nur noch durch eine Facebook-Abstinenz umgangen werden kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-&gt;  <strong>Freitag, 24. Februar</strong></p>
<p>Ich sitze ich mit R. in einer Bar. Ich nehme mein Handy, um einzuchecken. Da ich betrunken bin, dauert es einen Tick zu lange, bis ich merke, dass das keine Option ist. Ich suche Trost im Alkohol. Wird eine Sucht immer durch eine andere abgelöst? Heroin vom Methadon, Rauchen vom Fressen und Facebook vom Saufen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-&gt;  <strong>Samstag, 25. Februar</strong></p>
<p>Der Versuch einen Verlassenen zu beruhigen. Konversation mit L. Per SMS:</p>
<p>L.: „Bist du wirklich weg von Facebook? Mir wird sofort schlecht.“<br />
Ich: „Ich teste momentan meine Grenzen aus – Yoga, Tagesgeldkonto, Facebooklosigkeit, Steckrübenpüree. Vielleicht hilfts ja bei irgendwas. Und mal unter uns: Ich bin bald zurück. Man kann mir alles nehmen – Geld, Wohnung, Freunde – aber bei Handybilder des Grauens hörts echt auf.“<br />
L.: „Ein Glück! Mir geht’s nämlich genauso. Wie kam es bloß zu diesem Schrecken? Thrill? Der Kick für den Augenblick? Verlustangst?“<br />
Ich: „Mischung aus „über was soll ich bloß bloggen?“ und „die Leute nerven mich“ und „ich bin extrem süchtig – hupsi.“ Erstaunlicherweise dreht sich die Welt noch.“<br />
L.: „Letztens hatte ich was Lustiges auf Facebook gestellt. Das hast du voll verpasst. Na dann schicke ich dir immer eine SMS, wenn was Gutes war. Keine Angst, kommt nicht so oft vor.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-&gt;  <strong>Sonntag, 26. Februar</strong></p>
<p>Mir schmerzt die Schulter. Ich benutze ein Rheumapflaster. Das macht alles nur noch schlimmer. Außerdem habe ich Hunger und die Küche sieht aus wie Sau. Ich will Mitleid. Das kriegt man im echten Leben ja nur auf Facebook. Jetzt ein paar Likes auf einen beliebigen Status&#8230; Ich rufe meine Mutter an. Auch okay.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-&gt;  <strong>Montag, 27. Februar</strong></p>
<p>Heute ist meine selbst auferlegte Suchtbekämpfungsmaßnahme eigentlich beendet. Es war eine erholsame Woche. Ich habe viel geschlafen, mit Menschen telefoniert, es geschafft eine Massenmail <em>ohne</em> Facebook zu versenden, der Welt Strom gespart und in der Bahn Zeit gehabt, die Menschen um mich herum verachtend zu mustern. Irgendetwas hält mich davon ab mich wieder einzuloggen. Ich verschiebe die Rückkehr auf morgen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-&gt;  <strong>Dienstag, 28. Februar</strong></p>
<p>Ich tu es einfach. Ich logge mich wieder ein.<br />
Nein, ich werde jetzt nicht die sieben letzten Tage runterscrollen. Nein, ich werde nicht sofort alle Bilder posten, die in meinem Handy warten. Nein, ich werde keine Rundmail schreiben, dass ich wieder zurück bin und Gefahr laufen zu erfahren, dass es eh niemand gemerkt hat.<br />
<a href="http://mymagictypewriter.com/nur-fur-den-klick-fur-den-augenblick/431010_3268231581108_1126887488_33289706_643206360_n/" rel="attachment wp-att-2024"><img class="aligncenter size-full wp-image-2024" title="431010_3268231581108_1126887488_33289706_643206360_n" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/431010_3268231581108_1126887488_33289706_643206360_n.jpg" alt="" width="350" height="344" /></a>Zwei Minuten später habe ich Posts auf meiner Wall, Mails im Posteingang und die Notifications leuchten wieder verführerisch. Meine Freunde schmeißen mir eine virtuelle Willkommensparty. Ich bin gerührt.</p>
<p>Fazit: Facebook ist schlecht für die Aufmerksamkeitsspanne, ist verantwortlich für die Verkrüppelung sozialer Kompetenzen, hält von den wichtigen Dingen ab, verkürzt die Lebenszeit aufgrund des erhöhten Stressaufkommens, konditioniert das Gehirn und den Daumen auf absurde Weise, begünstigt Stalking, Mobbing und Online-Pädophilie &#8211; und ich würde nicht darauf verzichten wollen. Wir sehen uns drüben.</p>
<p>Alles Liebe, eure Mutter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>PS: Supportet meine Sucht mit einem Like auf <span style="color: #3366ff;"><a href="http://www.facebook.com/MyMagicTypewriter" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">www.facebook.com/MyMagicTypewriter</span></a></span></p>
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		<title>Gefangen im Schoße des Lotus.</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Feb 2012 21:29:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Achtung! Mädchenkrams.]]></category>
		<category><![CDATA[Ein schönes Bad in Selbstmitleid.]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstversuch of Death.]]></category>
		<category><![CDATA[x]]></category>
		<category><![CDATA[massage]]></category>
		<category><![CDATA[schmerzen]]></category>
		<category><![CDATA[thai]]></category>
		<category><![CDATA[thai massage]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich sitze in einem Ledersessel. Im Empfangsbereich der Thai-Massage. Es dudelt pentatonische Instrumentalmusik aus Miniboxen. Neben mir schwimmen rote Fische mit Glubschaugen in einem zu wenig gefüllten Aquarium. An der Wand hängen Zertifikate der Angestellten. Die könnte ich sogar mit Paint besser fälschen. Ich vermute eh, hier arbeiten nur minderjährige, illegal eingeschleuste Zwangsprostituierte. Dass ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Ich sitze in einem Ledersessel. Im Empfangsbereich der Thai-Massage. Es dudelt pentatonische Instrumentalmusik aus Miniboxen. Neben mir schwimmen rote Fische mit Glubschaugen in einem zu wenig gefüllten Aquarium. An der Wand hängen Zertifikate der Angestellten. Die könnte ich sogar mit Paint besser fälschen. Ich vermute eh, hier arbeiten nur minderjährige, illegal eingeschleuste Zwangsprostituierte. Dass ein Typ total relaxt aus dem Behandlungsraum kommt, bestärkt meinen Verdacht. Auf einem Tisch brennt ein Räucherstäbchen, daneben liegen Bananen und eine Ananas. Im Schaufenster steht eine goldene Winkekatze aus Plastik. Sie winkt. Ich trinke meinen Tee, es fehlt Zucker. Den Ingwerbonbon lasse ich liegen. Wäre ja noch schöner…</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/lotus/fxcam_1283085260287/" rel="attachment wp-att-1991"><img title="FxCam_1283085260287" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/FxCam_1283085260287.jpg" alt="" width="406" height="406" /></a>Ich werde von einer jungen Thaifrau aufgerufen. Frau Tuk heiß sie. Sie trägt wie alle Angestellten ein rotes T-Shirt und hat ihr Haar lose mit einer Klammerspange zusammengebunden. Sie lächelt freundlich. Bestimmt wird sie geschlagen, wenn sie es nicht tut. Ich werde in einen Raum geführt, in dem zwei Futonbetten stehen. Sie sind durch einen Vorhang voneinander getrennt. Ich solle mich ausziehen, Unterhose aber anbehalten. Uhr und Mutterkette müssen auch weg. Dann lege ich mich auf den Bauch und befürchte das Schlimmste. Mit Berührungen von Fremden habe ich es eh nicht so. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Frau Tuk mich vielleicht zum krönenden Abschluss untenrum massieren und dann mehr Geld verlangen möchte. Im Bett nebenan stöhnt jemand. Oh oh&#8230;</p>
<p>Sie wischt mich mit warmem Wasser ab wie einen Patienten im Delirium. Das ist ganz angenehm. Entspannen tu ich mich trotzdem nicht. Das will die Alte doch bloß!</p>
<p>Ich mache den Fehler und erzähle Frau Tuk von meiner schmerzenden Schulter. Sie hat mich kaum angefasst, da sagt sie entrüstet: &#8220;Oooh. Ganss ssöne versspann! Ssie blauchen Massaass!&#8221;<br />
Und dann massiert sie. Ihre Unterarme benutzt sie als Nudelhölzer und rollt damit immer und immer wieder über die Schultern. Vielleicht bin ich nicht so gut mit Schmerzbewältigung, aber das hier geht wirklich zu weit. Die massiert mir ja ins rohe Fleisch! Wenn die weiter so macht, fängt sie sich ne schlechte Bewertung auf Qype!</p>
<p>Als Frau Tuk ihren gesamten Körper mit dem Ellenbogen auf dieser einen schlimmen Stelle balanciert, muss ich aufschreien. Hinter mir kichert es. <em>Hallo?</em> Tu wenigstens so, als hättest du Mitleid!</p>
<p>Ich versuche die Zeit im Geiste runterzuzählen. Nach meinen Berechnungen sollten die 30 Minuten gleich um sein. Ich gucke auf. Frau Tuk hängt mit ihren Knien auf meinem nackten Brustbein. Ich schließe die Augen wieder. Das ist kein Anblick für schwache Nerven.<br />
Unermüdlich bohrt sie alles, was sie hat, in meinen Körper. Es würde mich nicht wundern, wenn sie zwischendurch heimlich mit einem Sumoringer getauscht hätte. So starke Finger <em>kann</em> keine Frau haben! Das ist Magie. Schwarze Magie. Voodoo. Diese Naturvölker sind ja sehr anfällig für solchen Hokus Pokus, habe ich gehört.</p>
<p>Zwischendurch biegt Frau Tuk meine Gliedmaßen hin, wo sie will. Als wäre ich eine übergroße Barbie, die man mal stresstestet. Dann verdreht sie meinen Oberkörper in einer Weise, die auch &#8211; da bin ich mir sicher &#8211; meinen Tod hätte bedeuten können. Es knackt und knirscht und rummst. Als sie das gleiche in die entgegengesetzte Richtung versucht, passiert nichts. Sie probiert es noch mal. Ich kann mich nicht wehren &#8211; sie hat mich komplett im Schwitzkasten, meine Arme sind nach hinten gebogen. &#8220;Ssie müsse losslasse!&#8221;, werde ich von Frau Tuk ermahnt. &#8220;Sie müssen<em> mich</em> loslassen!&#8221;, denke ich so laut ich kann. Linksrum Körper auskugeln scheitert.</p>
<p>Zwischendurch hockt sie komplett auf meinem Hintern. Die ganze Frau. Die wiegt ja bestimmt auch an die 30 Kilo!<br />
Selbst in den Schienenbeinen finden sich anscheinend Verspannungen, die es zu lösen gilt. Mit roher Gewalt. Aber so ist das im Dritte-Welt-Land Asien &#8211; da kommt man mit Pazifismus nicht weiter. Da überlebt nur der Stärkere. Und ich bin das in diesem Fall sicher nicht.</p>
<p><img class="alignleft" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/6f95751f371c59eff440.jpg" alt="" width="252" height="360" />Irgendwann, kurz bevor ich das Bewusstsein verliere, steht Frau Tuk auf und schenkt mir noch etwas Tee ein. Morgen hätte ich dann eventuell Muskelkater, gibt sie mir auf den Weg, bevor sie mich einfach nackt und gebrochen auf dem Futon liegen lässt. Ich verweile noch etwas in der Embryonalstellung und lausche dem Stöhnen nebenan. Als ich mich im Spiegel betrachte, stehen meine Haare in alle Richtungen, mein Maskara ist komplett verlaufen und das Handtuch hat feine Abdrücke in meinem Gesicht hinterlassen. Ich sehe so aus, wie ich mich fühle.</p>
<p>Wie ein Brett bin ich eben ins Bett gekippt. Es ist neun Uhr. Das, was ich in meinem Körper spüre, kann nur noch mit Leichenstarre bezeichnet werden. Etwas Gutes hatte die Massage des Grauens aber &#8211; die Schmerzen in meiner Schulter sind nicht mehr so schlimm .<br />
Anstatt dessen tut mir jetzt der gesamte Körper weh.</p>
<p>Sawasdee Kha! (Thailändisch für &#8220;winke winke&#8221;.)</p>
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		<title>Checkliste für brauchbare Männer</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 21:04:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Achtung! Mädchenkrams.]]></category>
		<category><![CDATA[Jungs sind voll doof!]]></category>
		<category><![CDATA[x]]></category>
		<category><![CDATA[brauchbarkeit]]></category>
		<category><![CDATA[checkliste]]></category>
		<category><![CDATA[liste]]></category>
		<category><![CDATA[männer]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer kennt es nicht&#8230; Man steht im Club, an der Supermarktkasse oder im Solarium und &#8211; zack &#8211; verliebt man sich spontan in einen muskulösen Typen mit Tattoo auf dem Hintern. Man trinkt sich einen an, hat Sex, dann Kinder, Bausparvertrag und Hochzeit. In dem Trubel vergisst man oft, sich die elementarste aller Fragen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer kennt es nicht&#8230; Man steht im Club, an der Supermarktkasse oder im Solarium und &#8211; zack &#8211; verliebt man sich spontan in einen muskulösen Typen mit Tattoo auf dem Hintern.<br />
Man trinkt sich einen an, hat Sex, dann Kinder, Bausparvertrag und Hochzeit. In dem Trubel vergisst man oft, sich die elementarste aller Fragen zu stellen: Hat der überhaupt alle Tassen im Schrank?<br />
Das ist gefährlich, denn mit ziemlicher Sicherheit sitzt man 20 Jahre später mit einem sabbernden Kleptomanen fest, der von sich nur in der dritten Person Singular spricht. (Er hat jetzt aber Kopfschmerzen.)<br />
Reine Zeitverschwendung. Auch ich habe einige falsche Personen gedatet und dabei wertvolle Jahre verloren, in denen ich hätte  so viel erledigen können&#8230; Kein Wunder, dass die Steuererklärung ewig liegen blieb.<br />
Seitdem ich meine revolutionäre Checkliste benutze, ist alles besser geworden. Sie basiert auf jahrelangen Erfahrungen mit Opfer-Männer jeglicher Couleur. Sie ist wissenschaftlich anerkannt, einfach in der Handhabung und führt immer zum Erfolg. Bzw. Misserfolg. Als ungefährlichstes aller Verhütungsmittel ist sie sicherer als die Pille.</p>
<p>Am besten trägt man immer ein paar Kopien in der Clutch. Wann und wie man die Liste ausfüllt, ist Geschmackssache. Ich arbeite da gerne mit mindestens einer Exfreundin und mit der Mutter des potentiellen Sexualpartners zusammen. Wer nicht so viel Zeit hat, kann das auch nach der Party in der Tram auf dem Weg zu ihm erledigen. Wichtig ist, dass die Fragen ohne wertenden Unterton vorgelesen werden. Wir unterstellen nichts. Wir sind frei von Vorurteilen und anerzogener Skepsis. Es sollte eine Atmosphäre des Vertrauens und der Ungezwungenheit geschaffen werden. Hierbei empfiehlt es sich mit Räucherstäbchen und einem magischen Zirkel aus weißem Licht zu arbeiten. Zur Not hilft aber auch ein Becher Absinth.<br />
Eine weitere anerkannte Methode ist das zufällig scheinende Einstreuen der Fragen im Verlaufe eines Restaurantbesuchs. Vorteil hier ist, dass der Gesprächspartner garantiert keinerlei Verdacht schöpft.</p>
<p>Die Liste ist in drei Bereiche unterteilt, die aus je fünf Fragen bestehen. Angefangen wird mit den Basics. Die Fragen werden im Verlauf immer schwieriger. Wird auch nur eine der Fragen mit &#8216;Ja&#8217; beantwortet, faltet man die Liste ruhig zusammen, gibt dem Gegenüber die Hand und wünscht ihm einen schönen Abend. Später löscht man seine Nummer und alle Verknüpfungen in den sozialen Netzwerken. Ohne Ausnahmen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://mymagictypewriter.com/checkliste-fur-brauchbare-manner/100608_ida_werbung_016/" rel="attachment wp-att-1890"><img class="aligncenter size-full wp-image-1890" title="100608_ida_werbung_016" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/100608_ida_werbung_016.jpg" alt="" width="613" height="408" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. Allgemeine Lebensumstände</p>
<p>- Bist du jünger als 25 oder älter als 40?</p>
<p>- Wohnst du noch bei deinen Eltern?</p>
<p>- Bist du in einer Beziehung?</p>
<p>- Warst du schon mal bei &#8220;Mitten im Leben&#8221;?</p>
<p>- Bist du rechtsradikal, Straight Edger, Mormone, PETA-Aktivist oder generell religös?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>2. Körperliche und geistige Fitness</p>
<p>- Nimmst du Anti-Depressiva und/oder Ritalin?</p>
<p>- Liegen in deiner Familie schwere Formen von Erbkrankheiten vor?</p>
<p>- Findest du dich selbst überdurchschnittlich schön?</p>
<p>- Findest du dich selbst überdurchschnittlich hässlich?</p>
<p>- Hand aufs Herz: Pinkelst du manchmal nachts ein?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>3. Popkulturelle und sexuelle Vorlieben</p>
<p>- Hast du alle Bände von Harry Potter gelesen?</p>
<p>- Ist das hier eigentlich deine Celine-Dion-CD?</p>
<p>- Fühlst du dich manchmal zum Briefträger, dem Nachrichtensprecher oder deinem kleinen Neffen hingezogen?</p>
<p>-&#8217; Two Girls one Cup&#8217; war echt ein super Film, oder?</p>
<p>- Findest du mich zu dick???</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn man ihn bis hier noch nicht zu einem &#8216;Ja&#8217; hat bewegen können, folgt die Zusatzfrage: Wie viel ist drei plus drei? Das ist eine Fangfrage. Die Antwort muss &#8216;sechs&#8217; lauten.</p>
<p>Achtung &#8211; diese Liste kann auch von Schwulen adaptiert werden. Die Antworten in den Blöcken zwei und drei sollten hierbei allerdings <em>ausschließlich </em> &#8216;Ja&#8217; lauten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In den ersten Jahren kann das häufige Durchfallen von hübschen und vermeintlich tollen Männern an den Nerven zehren. Mein persönliches Mantra:<br />
&#8220;Eines Tages wird er kommen &#8211; the man who doesn&#8217;t tick any of the boxes.&#8221;<br />
Damit ich es niemals vergesse, habe ich es mir mit einem rostigen Buttermesser in den Unterarm geritzt.</p>
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		<title>Swahili versteht doch keine Sau.</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Dec 2011 17:18:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Achtung! Mädchenkrams.]]></category>
		<category><![CDATA[Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.]]></category>
		<category><![CDATA[x]]></category>
		<category><![CDATA[liebe]]></category>
		<category><![CDATA[love]]></category>
		<category><![CDATA[trauer]]></category>
		<category><![CDATA[uganda]]></category>
		<category><![CDATA[verlieben]]></category>

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		<description><![CDATA[Hierbei handelt es sich um eine unbezahlte Auftragsarbeit zum Thema: &#8220;Wieso verliebt man sich fast immer zur falschen Zeit am falschen Ort in die falsche Person?&#8221; Ein Hilferuf ereilte mich vor kurzem über das bekannte Medium Internet. Der kluge Kerl, um dessen Gefühle es hier geht, eröffnete mit den Worten &#8220;Jule, du mit so viel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hierbei handelt es sich um eine unbezahlte Auftragsarbeit zum Thema: &#8220;Wieso verliebt man sich fast immer zur falschen Zeit am falschen Ort in die falsche Person?&#8221; Ein Hilferuf ereilte mich vor kurzem über das bekannte Medium Internet. Der kluge Kerl, um dessen Gefühle es hier geht, eröffnete mit den Worten &#8220;Jule, du mit so viel Lebenserfahrung&#8230;&#8221;.<br />
Da hatte er mich.</p>
<p>Kurzes Résumé: Er hatte sich verliebt. In ein Mädchen. Aus Uganda.</p>
<p>Schlechte Nachrichten verpackt man ja bekanntlich in ein Sandwich aus Schmeicheleien und schönen Facts. Los geht’s, ich eröffne das Brot des Grauens:</p>
<p>Positiv anzumerken: Du hast dich verliebt! Das kann ja auch nicht jeder. Du hast ein Hirn, Rezeptoren und sogar Emotionen, die du eindeutig identifizieren und mit deinen Mitmenschen teilen kannst. Mit dir ist alles in bester Ordnung. Ich freue mich sogar für dich.</p>
<p>Schon mal vorweg: Auf deine Frage gibt es keine Antwort. Und selbst wenn, würde sie dir auch nichts nützen, denn du, mein Freund, bist verliebt.</p>
<p>Aber der Reihe nach.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/swahili-versteht-doch-keine-sau/bildschirmfoto-2011-11-25-um-12-35-58/" rel="attachment wp-att-1863"><img title="Bildschirmfoto 2011-11-25 um 12.35.58" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2011-11-25-um-12.35.58.png" alt="" width="400" height="470" /></a>Erstes To Do: Die Pro- und Contra-Liste. Absolute Zeitverschwendung, aber wirklich nötig. Frage hier natürlich: Sollte ich nach Uganda ziehen?<br />
Auf der Pro-Seite sollten Dinge wie &#8220;immer schönes Wetter&#8221;, &#8220;überaus artenreiche Pflanzenwelt&#8221; und &#8220;Sie lebt dort&#8221; stehen, bei Contra eventuell &#8220;berufliche Verwirklichung unsicher&#8221;, &#8220;Easyjet fliegt nicht hin&#8221;, &#8220;Bürgerkrieg&#8221; und &#8220;Hunger&#8221;. Ich empfehle hierbei übrigens das praktische Excel-Template. Eigentlich ist es egal, was auf dieser Liste steht, denn das Mädchen fällt viel doller ins Gewicht, als alle anderen Punkte. Wichtig ist diese Liste mit jemandem zu teilen, der einen erst auslacht und dann ordentlich den Kopf wäscht, bevor er seine eigene Version anfertigt. Und auf der wird stehen: Nach Uganda zu ziehen ist Selbstmord. Und eigentlich weißt du auch, dass er Recht hat.</p>
<p>Also was folgt nun? Hoffentlich Einsicht. Uganda ist verdammt weit weg. Die Chancen, dass sich die tektonischen Platten in den nächsten sechs Monaten so verschieben, dass Afrika Holland verdrängt, ist meines Ermessens nach eher unwahrscheinlich. Ich bin aber kein Fachmann, korrigiert mich gerne, falls ich mich irre. Also knicke den Swahili-Kurs.<br />
It&#8217;s not gonna happen.</p>
<p>Ein nicht zu verachtender Fakt: Man will immer das haben, was man nicht haben kann. Bei mir waren es früher Bananen in der DDR, heute ist es eine glückliche Beziehung mit Brandon Boyd. Inzwischen habe ich freien Zugang zu Bananen und sooo geil sind die Dinger gar nicht. An Brandon Boyd halte ich weiter fest. Unterschied ist natürlich, dass ich beides noch nie probiert hatte/habe.<br />
Wenn man von der verbotenen Frucht schon genascht hat und es vorzüglich schmeckte, setzt hingegen diese oftmals verzerrte Glorifizierung des Vergangenen ein. Und die füttert die vermeintliche Gewissheit, dass in Uganda alles besser wäre als zu Hause. Dass das Leben noch viel mehr zu bieten haben müsste. Zu bieten <em>hat</em>. Man hat es ja selbst erlebt. Dabei verzichtet man großzügig auf alles, das man seit der Grundschule in Sachen Liebe schon gelernt hat. Hier wird auf das Herz gehorcht. Und das pocht beim Gedanken an Schmusi Schmusi.</p>
<p>Ein Alternativplan muss her. Und der heißt leider: Vergessen.<br />
Jetzt fragst du dich sicherlich, wie genau man das macht. Hervorragende Frage.<br />
Die Lösung liegt im ersten Moment klar auf der Hand. Umbringen. In der Badewanne, auf dem Dachboden, im Auto, im Wald. Hoffentlich ist jemand bei dir, der dir erklärt, wie furchtbar unglamourös und schlecht für deine Laufbahn das wäre.</p>
<p>Da müssen wir anders durch.<br />
Ablenken ist einer meiner Favoriten. Das macht jeder anders. Ich empfehle hier vor allem das Saufen. Batida Kirsch, Kristallweizen, Doppelkorn. Alles in einem Drink und das zwischen 10 und 0h stündlich verabreicht. Es spricht wirklich auch gar nichts gegen einen kleinen Flachmann auf dem Büroklo.<br />
Insidertipp: Immer gut schütteln &#8211; der Kokoskram setzt sich sonst zu doll vom Bier ab.<br />
Da gibt es jetzt bestimmt die Gesundheitsfreaks, die aufschreien. Für alle körperbewussten Trauernden kann man sich natürlich auch in die Arbeit schmeißen. Gedichte aus dem eigenen Blut. Aquarelle aus Tränen. Bücher aus Emotionen. Konzepte aus Kacke. Nur zu: Arbeit macht frei. (Ich entschuldige mich wirklich!)</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://mymagictypewriter.com/swahili-versteht-doch-keine-sau/imag0478/" rel="attachment wp-att-1868"><img class="aligncenter size-full wp-image-1868" title="IMAG0478" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/IMAG0478.jpg" alt="" width="619" height="391" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Zu guter Letzt ist ein Weg aus der Trauer auch immer das Neu-Verlieben. Meistens klappt das ja nicht ganz reibungsfrei. Vor allem, weil man sich scheiße fühlt und auch so aussieht. An dieser Stelle kommt Ablenkungsthema 1 wieder in den Blickpunkt: das Saufen. Alkohol ist der Schlüssel zur Liebe.<br />
Leider wissen wir ja alle, dass das nächste Girl der Notnagel sein muss, die persönliche Trauerbeauftragte. Auch eigentlich unfair.</p>
<p>Vielleicht solltest du alles mal ausprobieren. Wenn du nach drei Wochen leicht gelblich im Gesicht aussiehst, zwei Bücher geschrieben und eine neue Traumfrau getroffen hast, wirst du wahrscheinlich merken: Es hilft alles nichts, ich muss abwarten.</p>
<p>Uuuuuh. Abwarten. Das fällt schwer.<br />
Aber irgendwann kommen die Botenstoffe im Hirn zur Ruhe. Wenn wir mal ehrlich sind, handelt es sich eh nur um einen chemischen Prozess in den Synapsen.</p>
<p>So. Jetzt schließe ich das Sandwich des Grauens mit diesem Fakt: Du wartest nicht alleine. Wir warten und heulen mit dir. Wir mixen dir deine Drinks und verkuppeln dich mit allem, was zwei Beine hat. Weil wir dich lieben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bonustipp für alle Angehörigen von Betroffenen:</p>
<p>Was sagt man als guter Freund zu einem Besessenen?<br />
Es gibt nichts zu sagen. Diese Lovestory wird kein Happy End haben. Alle wissen das. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz.</p>
<p>“Ist das da eine Warze auf ihrer Stirn oder nur ein großer Eiterpickel?“</p>
<p>“Also <em>soo</em> groß sind ihre Brüste nun auch wieder nicht.“</p>
<p>“Ach, trägt man die Hosen jetzt wieder so? Hatte ich gar nicht mitbekommen&#8230;“</p>
<p>Zuhören ist ein Weg in den Heilungsprozess. Das kann jeder gut. (Man muss ja nicht die ganze Zeit aufpassen&#8230; Ist eh immer dasselbe.) Die Kunst ist es, zu wissen, wann man die Schulter zum Ausheulen und wann man den Gürtel zum Auspeitschen rausholt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zur Not geht auch immer ein sorgfältig vorbereiteter Prep-Talk. Dieser Monolog darf gerne auswendig gelernt und möglichst emotionslos vorgetragen werden:</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/swahili-versteht-doch-keine-sau/p20111221-180424/" rel="attachment wp-att-1869"><br />
<img title="p20111221-180424" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/p20111221-180424.jpg" alt="" width="448" height="465" /></a>&#8220;Sieh es mal so. Es gibt 7 Milliarden Menschen auf der Welt. Davon leben 82 Millionen in Deutschland, davon rund 42 Millionen Frauen. Von diesen Frauen sind 10%, also 4,2 Millionen zwischen 20 und 30. Hiervon sind wiederum etwas mehr als die Hälfte in Beziehungen. Bleiben 2.000.000 Frauen im richtigen Alter und Land. Wenn man davon jetzt alle Döflerinnen, Lesben, Verwandten, Sonderschülerinnen, Prostituierten, Exfreundinnen von Freunden und vor allem Trotteltussen aussortiert, ist man höchstens noch bei 200.000. Und das ist schon wohlwollend kalkuliert.<br />
Müssen nur noch alle Damen abgezogen werden, denen du niemals begegnen wirst, und die (ganz wichtig) einfach total hässlich sind/stinken.<br />
Bleiben meiner Rechnung nach ca. 20.000 potentielle Lebensabschnittsgefährtinnen. Bedeutet im Klartext: Bei nur 0,00027% aller Frauen, die du auf der Welt triffst, lohnt sich überhaupt ein Verlieben.<br />
Ach nein, Moment&#8230; zur glücklichen Beziehung fehlt dann ja auch noch die emotionale Zustimmung des Gegenparts. Es ist aber auch eine Nadelsuche im Heuhaufen.<br />
Also: Bei nur 0,0001% der Frauen darf man sich guten Gewissens verschießen. Die sind safe. Welche zu welchen gehört ist natürlich nicht so leicht bis überhaupt nicht zu identifizieren. Aber mal ehrlich – warum solltest gerade du dich in eine von den Richtigen verlieben?<br />
Noch ein Bierchen?&#8221;</p>
<p><span style="text-align: center;">Coming up soon: Die praktische Checkliste für potentielle Sexualpartner zum Ausdrucken.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Ein erholsames Wochenende in den Bergen</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Dec 2011 19:38:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf Reisen.]]></category>
		<category><![CDATA[Ein schönes Bad in Selbstmitleid.]]></category>
		<category><![CDATA[Ich liebe Deutscheland.]]></category>
		<category><![CDATA[Saufen für Fortgeschrittene.]]></category>
		<category><![CDATA[x]]></category>
		<category><![CDATA[drehmöser 9]]></category>
		<category><![CDATA[flugzeug]]></category>
		<category><![CDATA[garmisch-partenkirchen]]></category>
		<category><![CDATA[jägermeister]]></category>
		<category><![CDATA[kater]]></category>
		<category><![CDATA[reisen]]></category>
		<category><![CDATA[schnaps]]></category>
		<category><![CDATA[suff]]></category>
		<category><![CDATA[übelkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[SAMSTAG 07:00h Der Wecker klingelt nach gesunden drei Stunden Schlaf. Ich weiß spontan nicht worum es geht. Nix macht Sinn. Dann fällt es mir ein: Ich fliege nach München. Irgendwas mit Bergen. Ich bin total betrunken und snooze. 07:15h Wann muss ich los?  In einer halben Stunde. Es dreht sich alles. Die Katze nervt. Hätte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>SAMSTAG</p>
<p>07:00h<br />
Der Wecker klingelt nach gesunden drei Stunden Schlaf. Ich weiß spontan nicht worum es geht. Nix macht Sinn. Dann fällt es mir ein: Ich fliege nach München. Irgendwas mit Bergen. Ich bin total betrunken und snooze.</p>
<p>07:15h<br />
Wann muss ich los?  In einer halben Stunde. Es dreht sich alles. Die Katze nervt. Hätte ich etwas Energie, würde ich sie anbrüllen. Der Weg in die Küche ist furchtbar lang und kalt. Theoretisch und praktisch bin ich nicht in der Lage zu reisen. Ich schalte das Radio ein. Es laufen die Ärzte. Danke, jetzt bin ich wach. Schlecht ist mir trotzdem. Ich schmiere mir einen Kanten Brot mit irgendwas &#8211; vielleicht saugt das noch etwas Alk aus dem Magen. Dann leere einen halben Liter schwarze Johannisbeerschorle. Man gönnt sich ja sonst nichts.</p>
<p>07:28h<br />
Ich betrete das Bad.  Duschen fällt aus, is klar. Muss ja gleich los. Ist der Heroin-Chic eigentlich wieder salonfähig? In Bayern? Ich werde es herausfinden müssen.</p>
<p>07:51h<br />
Kamera, Portemonnaie, Tickets &#8211; ich hab alles außer meiner Würde. Es kann losgehen.</p>
<p>08:02h<br />
Ich ziehe meinen Koffer laut die Treppe zur U-Bahn hinunter. Tragen steht nicht zur Debatte. Super. Die Bahn nach Schönefeld kommt gleich. Vorsichtshalber krame ich die Flugbestätigungsmail aus meinem Rollkoffer&#8230;</p>
<p>08:03h<br />
Ich muss nach Tegel!?  Wie oft kann man eigentlich noch auf diesen Schwachsinn reinfallen? Ich breche in Panik aus, dann stelle ich eine alternative Route zusammen. Kurz vergesse ich sogar die Übelkeit.</p>
<p>08:31h<br />
Ich falle in einen Bäcker am Kutschi. So wie ich aussehe, könnte ich auch in den Mülltonnen nach Essbarem suchen. Würde nicht weiter auffallen. Im Radio läuft Alexandra Burke.  Ihr Nachname klingt so, wie ich mich fühle.</p>
<p>08:36h<br />
Im Bus möchte eine Dame meinen Sitzplatz. Not gonna happen, Sister.</p>
<p>08:49h<br />
Ich stehe vollkommen dehydriert in der Check-In-Schlange. Mein 7 Kilo schweres Köfferchen entspricht gewichtstechnisch nicht den Anforderungen der Airline. “Es ist nur sehr wenig Platz im Flugzeug.“ Selbst ich merke, dass die  Zusammenhänge hinken. Ich muss es einchecken. Mir ist alles egal, Hauptsache ich muss hier und jetzt nicht sterben.</p>
<p>08:56h<br />
Ich trinke das teuerste Wasser der Welt. Jeder Schluck kostet mich etwa einen Euro.<br />
Worth. Every. Fucking. Penny.</p>
<p>09:10h<br />
Ich lese den Playboy im Wartekabuff. H. kommt rein. Als wir uns hallo sagen muss ich rülpsen. Er weiß dafür meinen Namen nicht. Dann sind wir wohl quit. Müssen wir uns jetzt unterhalten? Ich lese demonstrativ wieder nackte Frauen.</p>
<p>09:14h<br />
Eine Damenhandballmannschaft mit Partnerlook-Hoodies schart sich um mich. Alle haben kurze Haare und muskulöse Oberarme. Sie lesen auch den Playboy.  Natürlich. Ihr Mittagsmenü muss demokratisch gewählt werden. Auf dem Speiseplan stehen Schweinelendensteak, Rinderfilet und Eisbein. Ich setze mich um.</p>
<p>09:26h<br />
Ich merke, dass in Schlangen zu stehen heute echt nicht so mein Ding ist.  Im Flugzeug sitze ich neben zwei schon schlafenden Typen. Beste Begleitung also. In dem Fach über meinem Sitz hätten noch zehn meiner Koffer Platz gehabt. Vor mir sitzt der übergewichtige asiatische Friseur aus Schwer Verliebt.  Oder jemand anderes. Erst mal schlafen.</p>
<p>11:05h<br />
Ich erwache als wir den Asphalt berühren. Meine Augen kriege ich trotzdem nicht auf. Blind schleiche ich den Flur entlang Richtung Ausgang. Viel zu viele Menschen hier. An der Gepäckausgabe warte ich 25 Minuten auf meinen Koffer. Ich bin fuchsteufelswild.</p>
<p>11:47h<br />
Ich sitze in der vollen S-Bahn nach München Zentrum. Für nur 10 Euro. Draußen sieht es öde aus. Felder, Bäume, Nebel. Flach wie Brandenburg. Wo sind denn jetzt die Berge und Brezn? Niemand trägt Dirndl. Alle sind auch total normal. Die sprechen nicht mal komisch. Etwas enttäuscht betrachte ich meine Haarspitzen. Zwar ist mir nicht mehr so doll nach Kotzen, nach Jägermeister ist mir aber auch nicht.</p>
<p>11:59h<br />
&#8220;Nächster Halt Unterföhring. Bitte links aussteigen.&#8221; Ich verspüre den Drang die Medienallee runterzuschleichen und mich bei Pro7 auf&#8217;s Ohr zu hauen. Da gibt&#8217;s Sojajoghurt und Fernseher &#8211; wie zu Hause also. Aber nix is. Ich muss weiter, immer weiter. Die Berge rufen. Obwohl ich immer noch bezweifle, dass es hier überhaupt Berge gibt&#8230;</p>
<p>12:30h<br />
Ich habe 50 Minuten in der Bahn gesessen und niemand wollte mir Feuerzeuge oder eine Obdachlosenzeitung verkaufen, niemand hat mir einen Song gespielt, niemand hat einfach mal so nach Geld für Drogen gefragt, niemand hat betrunken laut die Welt/Ausländer/Politiker verflucht. Es war wunderbar ruhig. Meine Laune steigt stetig. Immer noch keine Berge.</p>
<p>21:02h<br />
Nach Hotel-Check-In, Mittagsschlaf und Make-Up sitze ich nun in 1500 Metern auf der Drehmöser-9-Alm. Ich habe Magenkrämpfe und Schüttelfrost. Das ist sicherlich die Höhenkrankheit. Die dünne Luft und so. Ich bin umgeben von Jägermeister. Auf Eis, mit Red Bull, Saft, Brause, Wasser, Milch, Bier &#8211; alles kann, alles muss. Ich lege meinen Kopf auf der Theke ab. Wenn ich den Schnaps nicht sehe, sieht er mich vielleicht auch nicht.</p>
<p>21:20h<br />
D. und D. besuchen mich an meinem Sitzplatz an der Bar.  Sie nehmen sich meine mühsam zu einem Turm gestapelten Getränkemarken und bestellen drei Jägermeister-Redbull. Ich solle mich nicht so anstellen. Der erste Schluck tut mir in der Leber weh. Vom zweiten muss ich aufstoßen. Nach dem dritten etappe ich mich beim Lächeln. Ich erinnere mich wieder daran, wie man sich eigentlich im Leben fühlen sollte. Irgendwie glücklich.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://mymagictypewriter.com/ein-erholsames-wochenende-in-den-bergen/313236_10150415129391443_724506442_8977148_404162746_n/" rel="attachment wp-att-1846"><img class="aligncenter size-full wp-image-1846" title="313236_10150415129391443_724506442_8977148_404162746_n" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/313236_10150415129391443_724506442_8977148_404162746_n.jpg" alt="" width="634" height="422" /></a></p>
<p>21:29h<br />
Mein High hielt etwa 27 Minuten vor. Inzwischen bin ich zurück in einen bemitleidenswerten Geisteszustand gefallen und starre auf den Kamin. Oder auf die dauergewellten Dorfdamen. Drehmöser-Style.</p>
<p>22:14h<br />
Ich hänge so auf einem rustikalen Holztisch rum und spiele mit Strohhalmen. Vor mir steht ein oranger Jägermeister-Stammtisch-<wbr>Wimpel, um meine Schultern schmiegt sich ein Jägermeister-T-Shirt, vor mir stehen kleine Flaschen Jägermeister, daneben liegt ein Haufen Jägermeister-Getränkebons. Es ist klar, wo ich mich befinde. Oben spielt die Band, hier unten gammeln die Partypooper rum. Ich gucke nach draußen. Irgendwo muss die Zugspitze sein. Man sieht genau: nix. Ehrlich gesagt könnten die mich auch in  einen unterirdischen Saunaclub gefahren haben.  Nachts verpufft der Effekt eines Bergmassivs irgendwie. Hinter mir hängen in einem Trockenschrank etwa 20 Schinken. Naja, ist ja auch ganz schön.</wbr></p>
<p>23:05h<br />
Ich trinke Apfelschorle aus einem Maßkrug. Der Bluff fällt keinem auf.<br />
Mein Mantra des Abends: Ich möchte mich nicht vor dem Kamin zusammenrollen und einschlafen! Ich möchte mich nicht vor dem Kamin zusammenrollen und einschlafen! Fast glaube ich es mir selbst.</p>
<p>23:23h<br />
Die Gondel fährt um zwei Uhr wieder nach unten. Bis dahin muss ich hier ausharren. Ein betrunkener Typ setzt sich zu mir. Er kommt aus Garmisch. Ich behaupte ich hieße Tusnelda und sei aus Polen. Er geht wieder. Ich exe meine Apfelschorle wie eine ganz Harte.</p>
<p>00:12h<br />
Ich bin umgeben von hackedichten Jungs, die ich nicht kenne. Kurz hebt sich meine Laune wieder.<br />
Der eine: Wir können sagen, dass wir alte Schulfreunde sind.<br />
Ich: Okay. Wie alt seid ihr?<br />
Er: Zwanzig. Und du?<br />
Ich: Dreißig.<br />
Schweigen.<br />
Er: Du könntest unsere Mutter sein!<br />
Ich zeige meine goldene Mutter-Kette. Alle sind beeindruckt. Dann geht uns der Gesprächsstoff aus. Ich schleiche zurück zu meinem Barhocker.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://mymagictypewriter.com/ein-erholsames-wochenende-in-den-bergen/bildschirmfoto-2011-11-29-um-18-27-23/" rel="attachment wp-att-1820"><img class="size-full wp-image-1820 aligncenter" title="Bildschirmfoto 2011-11-29 um 18.27.23" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2011-11-29-um-18.27.23.jpg" alt="" width="625" height="351" /></a></p>
<p>23:57h<br />
D. interviewt mich draußen. Irgendjemand filmt. Ich erzähle vom großartigen Partyspektakel. Ich finde, ich bringe das voll real rüber. (Edit: Später werde ich herausfinden, dass ich so natürlich wirke wie die Konservierungsstoffe in Skittles.) Noch eine Stunde bis Abfahrt.</p>
<p>02:03h<br />
In der Gondel schwebe ich Richtung Abgrund. Ins tiefe, schwarze Nichts. D. und D. sprechen vom Altenpanorama in der hoteleigenen Sauna. Ich kauere mich am Boden des Kräftigs zusammen. Je weniger hoch ich bin, desto weniger tief kann ich fallen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>SONNTAG</p>
<p><img class="size-full wp-image-1835 alignleft" title="387847_10150415133866443_724506442_8977187_2031088703_n" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/387847_10150415133866443_724506442_8977187_2031088703_n.jpg" alt="" width="410" height="614" /></p>
<p>12:13h<br />
Wir fahren mit dem Auto am Eibsee vor. Ich bin so aufgeregt wie selten. Meine Kamera ist geladen und schussbereit. Gleich gibt es was mit Bergen. Wir laufen durch einen kleinen Wald. Eigentlich renne ich. Ich kann den Ausblick nicht mehr länger abwarten. Irgendwo hier muss der See sein. Und dann lichten sich die Bäume. Ich fühle so etwas wie Ehrfurcht. Der flache, glasklare See leuchtet in stattlichen Grüntönen. Am Ufer liegen große graue Steine, dahinter baut sich ein von der Sonne erleuchteter Streifen aus Tannen auf. Und dann muss man seinen Köpf heben, um das Bergmassiv um die Zugspitze überhaupt erfassen zu können. Schroff, von Schneelinien durchzogen ragen die scharfen Kanten der Steintürme in den türkisen Himmel. Alles funkelt und glänzt und schimmert, als hätte ich die Szene schon durch mein digitales Bildbearbeitungsprogramm gejagt. So ist das also in den Bergen. Ich hatte keine  Ahnung.  Ich nehme meine Kamera und lasse ein Blitzfeuer auf die Idylle los. Theres no stoppin now.</p>
<p>20:30h<br />
Ich verabschiede D. auf dem Flughafen-Weihnachtsmarkt genau zwischen Terminal eins und zwei an der Eislaufbahn.</p>
<p>20:34h<br />
Unwissentlich versuche ich eine große Flasche Wasser zu schmuggeln. Ich werde beim Security-Check erwischt und soll 8,50€ für die Entsorgung zahlen. Ich rege mich auf. Leider merke ich erst unangenehm spät, dass der Typ mich verarscht.<br />
Ich trage eine Strumpfhose, Jeans, zwei Paar Socken, Lammfellsohle in den Schuhen, Unterhemd, Shirt, Strickjacke, Hoody, Wintermantel und Schal.  Macht man doch so in den Bergen? Draußen sind zehn Grad, hier drinnen gefühlte 29. Ich schwitz wie ein Schwein. Na wenn ich schon die Sauna verpasst habe&#8230; Ist auch alles hier fast wie im Spa. Nur halt nicht so geil.</p>
<p>23:47h<br />
Ich bin gerade zu Hause angekommen. Ich fühle mich wie überfahren. Und dann gucke ich die Bilder an. Von der Zugspitze. Aus der Gondel. Von der Alm. Und bin glücklich.</p>
<p>Trinken werde ich trotzdem nie wieder.</p>
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		<item>
		<title>Pardon me while I burst into Flames.</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Nov 2011 15:50:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Achtung! Mädchenkrams.]]></category>
		<category><![CDATA[Ein schönes Bad in Selbstmitleid.]]></category>
		<category><![CDATA[Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.]]></category>
		<category><![CDATA[brandon boyd]]></category>
		<category><![CDATA[chat]]></category>
		<category><![CDATA[freundschaft]]></category>
		<category><![CDATA[hohn]]></category>
		<category><![CDATA[incubus]]></category>
		<category><![CDATA[liebe]]></category>
		<category><![CDATA[spott]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man FAST gestern Brandon Boyd getroffen hätte und deswegen 24 Stunden danach noch total aufgewühlt ist, stellt sich heraus, wer die echten Freunde sind. Im Schatten des Wahns zeigen sich ihre wahren Gesichter. Aber wer hat den Test bestanden? Diese drei hier schon mal nicht: &#160; PERSON 1: i cant sleep. i am thinking of [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man FAST gestern Brandon Boyd getroffen hätte und deswegen 24 Stunden danach noch total aufgewühlt ist, stellt sich heraus, wer die echten Freunde sind.<br />
Im Schatten des Wahns zeigen sich ihre wahren Gesichter. Aber wer hat den Test bestanden? Diese drei hier schon mal nicht:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>PERSON 1:</strong></p>
<p>i cant sleep. i am thinking of topless brandon boyd. its serious!</p>
<p><em>also thinking of brandon boyd<br />
</em><em>sUcH a HotTiE &lt;3</em></p>
<p>oh shut it.</p>
<p><em>im checking pictures of him RIGHT now</em></p>
<p>honestly! dont mess with me on this one!</p>
<p><em>he looks a bit like a chimpansee.</em></p>
<p>you absolutely have to stop.<br />
youre gonna make me cry.</p>
<p><em>u see yourself in bed with an orang utan.</em></p>
<p>okay. crying now.<br />
LOOK WHAT YOUVE DONE!</p>
<p><em>ok i fucked it up</em></p>
<p>you did. its never gonna be the same again.</p>
<p><em>hope you dont dream about apes now because of me</em></p>
<p>i sorta hate you right now.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>PERSON 2:</strong></p>
<p><em>Ich ekel mich.</em></p>
<p>ich hab mich gestern zum wiederholten male in brandon boyd verliebt. ich ekel mich auch.</p>
<p><em>der ist doch niedlich!</em></p>
<p>ich hab zwei stunden in einer autogramm-schlange mit 16jährigen gestanden. Alleine.</p>
<p><em>Das hast du nicht gemacht!</em></p>
<p>Ist das sehr schlimm? Ich habe noch nicht mal ein autogramm bekommen. Ich fühlte mich so benutzt&#8230;</p>
<p><em>Jetzt ehrlich! Du hast dich für ein Autogramm angestellt? Wo? Im Media Markt? Und dann noch nicht mal eins bekommen? Ich glaube das nicht.<br />
</em><em>Ich mach mir Sorgen.</em></p>
<p>Beim Telekom Extreme Playgrounds war das. Vor dem Konzert.</p>
<p><em>Stehe ich auf der Leitung?</em><br />
<em>Ist das ein Witz den ich nicht verstehe?</em></p>
<p>du musst auf meine Gefühle aufpassen.<br />
Ich bin reizbar diesbezüglich.</p>
<p><em>Du Nerd.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>PERSON 3:</strong></p>
<p>ich hab doch gestern FAST brandon boyd getroffen. ich war noch nie so aufgeregt in meinem ganzen leben.<br />
irgendwas stimmt nicht mit meinem gehirn.</p>
<p><em>kann sein, dass da beim trinken kohlensäure reingelaufen ist&#8230;das passiert manchmal&#8230;versuch mal durch klopfen auf den kopf ein kleines bäuerchen zu erzwingen&#8230;dann ist das weg</em></p>
<p>Äh. Danke.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Danke an Cathi, die gestern fast gar nicht gezeigt hat, wie sehr sie leiden musste. Und an alle, die mich mobil unterhalten haben, als ich in der Schlange stand. Und danke an Alex, den ich so wegen der Liste genervt habe. Ich werde mich nun wieder beruhigen&#8230;.</p>
<p>Also bald. Versprochen.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Zahnärzte: ein Traum(a) in Weiß</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Oct 2011 10:40:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Achtung! Mädchenkrams.]]></category>
		<category><![CDATA[Ein schönes Bad in Selbstmitleid.]]></category>
		<category><![CDATA[Ich liebe Deutscheland.]]></category>
		<category><![CDATA[Ode an England.]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstversuch of Death.]]></category>
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		<description><![CDATA[Zahnärzte sind nach Desinfektion stinkende, geldgeile Sadisten, die es im täglichen Leben unbedingt zu meiden gilt. Fakt. (Ausnahme: Schmalli. Auch Fakt.) Neulich war ich so mutig und machte einen Termin bei einem. Kam auch für mich komplett überraschend. Bei der Abwägung Zahnarztbesuch versus Zahnschmerz gewann aber leider zweiteres den Battle der Emotionen. Das letzte Mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zahnärzte sind nach Desinfektion stinkende, geldgeile Sadisten, die es im täglichen Leben unbedingt zu meiden gilt. Fakt.<br />
(Ausnahme: Schmalli. Auch Fakt.)</p>
<p>Neulich war ich so mutig und machte einen Termin bei einem. Kam auch für mich komplett überraschend. Bei der Abwägung Zahnarztbesuch versus Zahnschmerz gewann aber leider zweiteres den Battle der Emotionen.</p>
<p>Das letzte Mal beim Zahnarzt war ich in England. Mein Ex zwang mich hin. (Weil er auch zu den fiesen Menschen gehörte.) Ich war mir sicher, dass nach vier Jahren der aktiven Verdrängung des Themas ‘Zahnarztbesuch‘ <em>mindestens</em> eine Generalrestaurierung des Kiefers anstand. Der Arzt hatte seine für deutsche Verhältnisse untragbare Praxis in einem Londoner Reihenhaus mit Ekelteppich, typischer Brit-Tapete und welligen Kunstdrucken. Im engen Treppenaufgang blieb ich hinter meinem Ex zurück. Als mir der erste Schwall Zahnarztgeruch in die Nase stieg, schrillte mein Hirn so laut, dass ich mich umdrehen und wieder auf die Straße laufen musste. (Was ist das eigentlich für ein Geruch? Chloroform? Ether? Selbstgebrannter? GHB?)<br />
Ich wusste, dass Verstecken kindisch wäre. Also wartete ich, bis ich abgeholt und an der Hand nach drinnen geführt wurde. Überflüssigerweise fing ich an zu heulen. Der gemusterte Teppich machte mir Angst. Als der Arzt das erste Mal aus seinem Zimmer lugte und mich sah, musste er lachen.<br />
“Promise youre not gonna drill!“, begann ich die Verhandlungen. Er versprach, ich ließ mich untersuchen. Dann bohrte er. Ich überlebte. Und war später das stolzeste Mädchen Ost-Londons.</p>
<p>Damals beschloss ich regelmäßig zu gehen. Das war vor knapp drei Jahren. Vorsätze sind ja da, um sie zu brechen und bei nächster Gelegenheit neu zu fassen.</p>
<p>Ich bin also beim Zahnarzt am Hackeschen Markt. Es ist 20h. Business-Sprechstunde.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/p20111017-195403/" rel="attachment wp-att-949"><img class="aligncenter size-full wp-image-949" title="p20111017-195403" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/p20111017-195403.jpg" alt="" width="640" height="389" /></a><span id="more-945"></span><br />
Alles ist weiß. Und grün. Und strahlt irgendwie. Es läuft Entspannungsmusik. Es riecht kein bisschen nach Zahnarzt. Wieso nicht? Wird hier etwa nicht ordentlich desinfiziert? Im Wartezimmer blühen Pflanzen von den Wänden. Die Sprechstundenhilfe spricht mit mir als sei sie Therapeutin. Mit sanfter Stimme und furchtbar freundlich. Ich bin nicht beim Zahnarzt, ich bin im Spa. Ehrlich! Alle sehen jung, frisch und irgendwie heiß aus. Kurz bin ich traurig, dass ich mich nicht für den behandelnden Arzt entschieden habe.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/p20111017-194835/" rel="attachment wp-att-946"><img class="aligncenter size-full wp-image-946" title="p20111017-194835" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/p20111017-194835.jpg" alt="" width="640" height="480" /><br />
</a></p>
<p>Als ich so da sitze und warte sinkt meine Laune auf minus sieben (auf einer Skala von eins bis zehn). Ich stehe auf, laufe hin und her und komme mir dabei selbst komisch vor. Hoffentlich haben die da vorne keine Kamera.</p>
<p>Meine Mutter wurde damals in der Poliklinik in Brandenburg beim Zahnarzt in Massenabfertigungshallen so gefoltert, dass sie total glücklich ist heutzutage überhaupt zu einer menschenwürdigen Behandlung gehen zu dürfen. Ihre Erinnerungen an prähistorische Dentalzeiten ändern an meinen Gefühlen aber nichts. Ich schmeiße ja auch ohne Reue Kartoffelschalen weg, während meine Oma die lieber aufheben würde.</p>
<p>Dann gehe ich aufs Klo. Auch dort läuft Musik, die Handtücher sind sauber gerollt, die Fliesen blitzen. Ich gucke in den Spiegel. Vom Kinn bis tief ins Decolletee ziehen sich dunkelrote Stressflecken. Ich sehe aus wie ein anaphylaktischer Schocker. Bleibt eigentlich noch Zeit zur Flucht? Vielleicht hätte ich die Sprechstundenhilfe am Eingang in einer starken Minute nicht vorwarnen sollen. Ich bin gefangen auf Arztcatraz. Dentophobia The Sequal.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/p20111017-200029-1-1/" rel="attachment wp-att-950"><img class="aligncenter size-full wp-image-950" title="p20111017-200029-1-1" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/p20111017-200029-1-1.jpg" alt="" width="338" height="481" /></a></p>
<p>Während ich beim<span style="color: #3366ff;"> <a title="Waxing für Anfänger" href="http://mymagictypewriter.com/waxing-fur-anfanger/" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">Intimwaxing</span></a></span> damals die Vorteile des zu erwartenden Outcomes schon vor der Behandlung konkret benennen konnte, ist das einzige das mir zum Thema Zahnarzt einfällt: Wenn du jetzt gehst, dann <em>könntest</em> du <em>eventuell</em> weniger Schmerzen beim nächsten  Besuch haben. Das ist mir nicht konkret genug. Das rechtfertigt das Grauen nun wirklich in keinster Weise.</p>
<p>“Frau Müller bitte?“<br />
Durchatmen. Du kannst jederzeit vom Stuhl springen und die Polizei rufen. Ich gehe in den Raum und setze mich auf den hellen Lederstuhl.<br />
Frau Fleck fragt mich, warum ich da sei.<br />
“Ich will um die Uhrzeit wirklich nicht meckern, aber ich habe Panik“, sage ich, während ich die Geräte auf der Ablage vor mir scanne. „Doll.“<br />
Sie legt ihre Hand auf meinen Arm. “Wir gucken erstmal nach, Frau Müller. Sie müssen keine Angst haben.“<br />
Irgendwie ist sie sympathisch. Kann nicht viel älter sein als ich. Weiß die überhaupt wo sie hinbohren muss? Ich würde lieber mit ihr ein Bier trinken gehen.<br />
Sie guckt mir in den Mund. Ich fühle meine Stressflecken mit jedem Herzschlag aufblinken.<br />
“Ach, sie haben aber niedliche Weisheitszähne. Haben sie die schon mal gesehen?“<br />
“Nein?“ Es ist wirklich schwierig Zähne hinten oben  im Kiefer zu betrachten&#8230;<br />
Sie nimmt einen Stift mit Kamera und projiziert meinen Backenzahn auf einen 27-Zoll-Screen vor meinem Gesicht.<br />
Als ich das letzte Mal beim Zahnarzt war, hat man noch mit Hammer und Meißel behandelt. Ich bin beeindruckt. Kann ich das Bild gleich per Voice Command ins Netz beamen?<br />
Dann macht sie Fotos von einem kleinen Riss im Schneidezahn, von der Wurzelbehandlung, von der Füllung aus England (“Keine schöne Arbeit.“ &#8211; “Dafür aber umsonst.“) und von meinem einseitigen Kreuzbiss. Die Galerie meines Mundes ist wirklich nur mäßig schön. Aber irgendwie auch geil. Hatte ich noch nie gezeigt bekommen.<br />
Jeden Schritt ihrer Untersuchung kommentiert sie ausgiebig. Den Unterschied zwischen Krone und Inlay darf ich sogar selbst an einem Klappergebiss erfühlen.<br />
So schlimm war das im Nachhinein betrachtet alles gar nicht. Vielleicht aber auch nur, weil sie nur geguckt hat.</p>
<p><strong>Wer als erster errät wie viele Zähne genetisch nicht in meiner Orofazialebene angelegt sind, darf mich bei einem der folgenden Termine zum Zahnarzt begleiten: 03.11. um 13:30h, 4.11. um 8:30h oder 9.11. ebenfalls um 8:30h. </strong><br />
<strong>Meet &amp; Greet mit Frau Fleck. Good luck!</strong></p>
<p>PS: Suche Zweitjob für ein Inlay.</p>
<p>&nbsp;</p>
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