<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>mymagictypewriter. &#187; angst</title>
	<atom:link href="http://mymagictypewriter.com/tag/angst/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://mymagictypewriter.com</link>
	<description>ich.bin.deine.mutter.</description>
	<lastBuildDate>Fri, 09 May 2014 09:59:27 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.5.1</generator>
		<item>
		<title>Nord-Norwegen &#8211; die Wanderung zum Todesgipfel</title>
		<link>http://mymagictypewriter.com/nord-norwegen-die-wanderung-zum-todesgipfel/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=nord-norwegen-die-wanderung-zum-todesgipfel</link>
		<comments>http://mymagictypewriter.com/nord-norwegen-die-wanderung-zum-todesgipfel/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 15 Jul 2013 15:27:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf Reisen.]]></category>
		<category><![CDATA[Intro-Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[x]]></category>
		<category><![CDATA[angst]]></category>
		<category><![CDATA[berge]]></category>
		<category><![CDATA[gipfel]]></category>
		<category><![CDATA[höhenangst]]></category>
		<category><![CDATA[lofoten]]></category>
		<category><![CDATA[norwegen]]></category>
		<category><![CDATA[wandern]]></category>
		<category><![CDATA[wanderung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://mymagictypewriter.com/?p=4143</guid>
		<description><![CDATA[Ich bin mit meinen Freunden Ralli und Wolfi im Sommerurlaub. Genauer: auf den Lofoten &#8211; einer norwegischen Inselgruppe zwischen Nordkap und Polarkreis. Wir wollen wandern. Beziehungsweise: Die Jungs wollen wandern. Super ausgerüstet (Adidas High-Tops, H&#38;M-Polyesterjacke, Nüsschen) beginnen wir den anstrengenden Aufstieg über Grasweiden, an Bergseen vorbei und durch Geröllfelder. Ich bin zwar fernab von trittsicher [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin mit meinen Freunden Ralli und Wolfi im Sommerurlaub. Genauer: auf den Lofoten &#8211; einer norwegischen Inselgruppe zwischen Nordkap und Polarkreis. Wir wollen wandern. Beziehungsweise: Die Jungs wollen wandern.</p>
<p>Super ausgerüstet (Adidas High-Tops, H&amp;M-Polyesterjacke, Nüsschen) beginnen wir den anstrengenden Aufstieg über Grasweiden, an Bergseen vorbei und durch Geröllfelder. Ich bin zwar fernab von trittsicher und ausdauernd, irgendwie schieben die Jungs mich aber immer weiter die Berge hinauf. Vor allem mit Energydrinks und angeblichem Wi-Fi werde ich gelockt.</p>
<div id="attachment_4145" class="wp-caption alignleft" style="width: 650px"><img class="size-full wp-image-4145" alt="Lofoten_JuleMueller01" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Lofoten_JuleMueller01.jpg" width="640" height="482" /><p class="wp-caption-text">Bild: Der erste Aufstieg. Rechts unten am Rand – mit dem bloßen Auge kaum erkennbar – Wolfi.</p></div>
<p>Ich bin nach etwa einer Stunde Marsch noch fröhlich am plappern, als ich in Wolfis Gesicht ein paar Meter vor mir das Entsetzen sehe. Langsam nähere ich mich ihm. Vor uns endet der grasige Vorsprung, ein riesiger Block Eis ragt waagerecht in den bewölkten Himmel. Dahinter kommt nichts. Einen Kilometer weiter unten erstrahlt eine Bucht in Türkis. Wie ich mich nun erinnere, bin ich nicht nur eine miese Kletterin, sondern auch nicht schwindelfrei.</p>
<div id="attachment_4148" class="wp-caption alignleft" style="width: 650px"><img class="size-full wp-image-4148" alt="Bild: Vom Dreimeterbrett konnte man früher noch die Flucht nach hinten antreten, hier gibt es nur einen Weg - ins Verderben." src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Lofoten_JuleMueller02.jpg" width="640" height="480" /><p class="wp-caption-text">Bild: Vom Dreimeterbrett konnte man früher noch die Flucht nach hinten antreten, hier gibt es nur einen Weg &#8211; ins Verderben.</p></div>
<p>Überrumpelt vom Anblick werfe ich mich zu Boden. Mein Körper schnappt wie ein Schweizer Taschenmesser in die Embryonalposition. Es regnet auf mich herab. Ich hyperventiliere. Mir war einfach nicht klar, dass der Berg irgendwann zu Ende sein würde. Und auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass ich aus meiner Liegeposition wo runterfalle, fühle ich mich wie Alice im Wunderland bei ihrem endlosen Sturz in den Kaninchenbau.</p>
<div id="attachment_4151" class="wp-caption alignleft" style="width: 650px"><img class="size-full wp-image-4151" alt="Bild: Ich sehe vielleicht aus wie ein glücklicher, druffer Hipster im Gras, habe aber einfach nur eine normale Panikattacke." src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Lofoten_JuleMueller03.jpg" width="640" height="480" /><p class="wp-caption-text">Bild: Ich sehe vielleicht aus wie ein glücklicher, druffer Hipster im Gras, habe aber einfach nur eine normale Panikattacke.</p></div>
<p>Keiner weiß, wo wir lang müssen. Ich bin flach an den Boden geklebt. Höhenangst kicking in. Es geht weder zurück, noch vorwärts. Der Wind ist eisig. Ich werde am besten einfach sterben.</p>
<p>Nach einer gefühlten Ewigkeit hebt Wolfi mich wie einen nassen Sack vom Boden auf. „Komm, wir machen eine Polonäse.“ Ich folge ihm heulend, mit zitternden Knien und gebückt wie Gollum. Meine Finger krallen sich in seine Schultern.</p>
<div id="attachment_4154" class="wp-caption alignleft" style="width: 650px"><img class="size-full wp-image-4154" alt="Bild: Es ist mir absolut unbegreiflich, wie Menschen auf die Idee kommen, man könne auf einem Bergkamm in tausend Metern Höhe einfach mal so entlanglaufen." src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Lofoten_JuleMueller04.jpg" width="640" height="480" /><p class="wp-caption-text">Bild: Es ist mir absolut unbegreiflich, wie Menschen auf die Idee kommen, man könne auf einem Bergkamm in tausend Metern Höhe einfach mal so entlanglaufen.</p></div>
<p>&#8220;Auf einem Baum ein Kuhukuck &#8230; Simsalabimbambasaladusaladim. Auf einem Baum ein Kuhukuck &#8230; saß.&#8221;</p>
<p>Wir schieben uns Meter um Meter über die (Achtung, Anwärter für das Unwort des Jahres!) Felsnasen. Ich singe Kinderlieder, um mich abzulenken. Eine Hand habe ich von Wolfi gelöst und zur Scheuklappe umfunktioniert. Ähnlich wie bei der Zerstörung Sodoms und Gomorras darf ich einfach nicht mehr zurück gucken. Ich würde beim Anblick des Abhangs vermutlich implodieren.</p>
<div id="attachment_4156" class="wp-caption alignleft" style="width: 650px"><img class="size-full wp-image-4156" alt="Bild: Wer sich anstatt zu laufen einfach galant am Boden voranschubbert, fällt im Zweifelsfall ein bisschen weniger tief. Logisch." src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Lofoten_JuleMueller05.jpg" width="640" height="480" /><p class="wp-caption-text">Bild: Wer sich anstatt zu laufen einfach galant am Boden voranschubbert, fällt im Zweifelsfall ein bisschen weniger tief. Logisch.</p></div>
<p>Ich weiß, ich neige zu Übertreibungen, aber das hier ist das Schlimmste. Alle Zahnarztbesuche, Familienfeiern, Singlebörsen der Welt kommen nicht annähernd an diesen Moment heran. Sogar die Jungs werden immer ruhiger. Einer geht vor, um den Weg zu checken, der andere zieht mich an der Hand. Man hört nur noch Schafsglocken in der Ferne. Und mein Wimmern.</p>
<div id="attachment_4158" class="wp-caption alignleft" style="width: 650px"><img class="size-full wp-image-4158" alt="Bild: Keine Ahnung, wie dieser wolkige Tausender, von dem wir gerade kommen, heißt, ich taufe ihn „Todesgipfel“." src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Lofoten_JuleMueller06.jpg" width="640" height="480" /><p class="wp-caption-text">Bild: Keine Ahnung, wie dieser wolkige Tausender, von dem wir gerade kommen, heißt, ich taufe ihn „Todesgipfel“.</p></div>
<p>Über einen ungünstig gelegenen Felsen muss ich eine Bauchrolle machen. Unter mir droht der Abgrund. Wolfi klebt am Felsen &#8211; wie auch immer er dort physikalisch überhaupt haften kann &#8211; und stemmt meinen Hintern hoch. Ralli zieht von der anderen Seite an meinem Arm. Ich wiederhole stur mein Mantra des Tages: &#8220;Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck!&#8221;</p>
<div id="attachment_4159" class="wp-caption alignleft" style="width: 650px"><img class="size-full wp-image-4159" alt="Bild: Auf diesem losen Steinhaufen fühle ich mich für einen kleinen Moment mal nicht so, als müsste ich sofort sterben." src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Lofoten_JuleMueller07.jpg" width="640" height="480" /><p class="wp-caption-text">Bild: Auf diesem losen Steinhaufen fühle ich mich für einen kleinen Moment mal nicht so, als müsste ich sofort sterben.</p></div>
<p>Wir machen eine Pause. Endlich darf ich den versprochenen Energydrink leeren. Bei Wolfi gehen alle zehn Minuten E-Mails ein, deren Empfang mit einem Beep bestätigt wird. Gute Netzabdeckung. Ralli erklärt mir, wie toll ich gerade meinen Quadrizeps trainiere. Ich hasse meinen Quadrizeps! Irgendwo sind Schafe und gucken blöd.</p>
<div id="attachment_4161" class="wp-caption alignleft" style="width: 650px"><img class="size-full wp-image-4161" alt="Bild: Wie Hohn wirkt dieser Anblick eines Regenbogens angesichts meiner Todesangst." src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Lofoten_JuleMueller08.jpg" width="640" height="480" /><p class="wp-caption-text">Bild: Wie Hohn wirkt dieser Anblick eines Regenbogens angesichts meiner Todesangst.</p></div>
<p>Nachdem uns der letzte steile Abstieg aus 400 Metern gelungen ist, küsse ich den Asphaltboden voller Ehrfurcht. Hinter uns liegen acht volle Stunden Terror. Nie wieder werde ich mich über ebenerdiges Terrain beschweren.</p>
<div id="attachment_4162" class="wp-caption alignleft" style="width: 650px"><img class="size-full wp-image-4162" alt="Bild: Da auf der Landstraße kein einziges Auto zum Trampen kommt, laufen wir die zehn Kilometer zurück zu unserem Gefährt. Ich liebe jeden einzelnen Schritt davon." src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Lofoten_JuleMueller09.jpg" width="640" height="480" /><p class="wp-caption-text">Bild: Da auf der Landstraße kein einziges Auto zum Trampen kommt, laufen wir die zehn Kilometer zurück zu unserem Gefährt. Ich liebe jeden einzelnen Schritt davon.</p></div>
<p><i> </i></p>
<p>Dieser Text erschien auch im <span style="color: #3366ff;"><strong><a title="Intro-Magazin online" href="https://www.intro.de/news/newsfeatures/23072309/vom-winde-verwoehntkolumne-neues-aus-jules-welt" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">Intro-Magazin</span></a></strong></span>. Alle meine Intro-Texte gibt es<span style="color: #3366ff;"> <strong><a title="Jule Müllers Intro-Profil" href="https://www.intro.de/logintro/916833" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">hier</span></a></strong></span>.</p>
<p>Außerdem interessiert dich noch <strong><span style="color: #3366ff;"><a title="Norwegen - die Anreise" href="http://mymagictypewriter.com/nord-norwegen-chronologie-einer-reise/" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">der 1. Teil</span></a></span></strong> dieser Norwegen-Reise und <strong><span style="color: #3366ff;"><a title="Verkatert in Garmisch" href="http://mymagictypewriter.com/ein-erholsames-wochenende-in-den-bergen/" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">Verkatert in Garmisch</span></a></span></strong>. Klar.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://mymagictypewriter.com/nord-norwegen-die-wanderung-zum-todesgipfel/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zahnärzte: ein Traum(a) in Weiß</title>
		<link>http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=zahnarzte-ein-trauma-in-weis</link>
		<comments>http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 25 Oct 2011 10:40:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Achtung! Mädchenkrams.]]></category>
		<category><![CDATA[Ein schönes Bad in Selbstmitleid.]]></category>
		<category><![CDATA[Ich liebe Deutscheland.]]></category>
		<category><![CDATA[Ode an England.]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstversuch of Death.]]></category>
		<category><![CDATA[angst]]></category>
		<category><![CDATA[berlin]]></category>
		<category><![CDATA[dentophobie]]></category>
		<category><![CDATA[praxis]]></category>
		<category><![CDATA[zahnarzt]]></category>
		<category><![CDATA[zähne]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://mymagictypewriter.com/?p=945</guid>
		<description><![CDATA[Zahnärzte sind nach Desinfektion stinkende, geldgeile Sadisten, die es im täglichen Leben unbedingt zu meiden gilt. Fakt. (Ausnahme: Schmalli. Auch Fakt.) Neulich war ich so mutig und machte einen Termin bei einem. Kam auch für mich komplett überraschend. Bei der Abwägung Zahnarztbesuch versus Zahnschmerz gewann aber leider zweiteres den Battle der Emotionen. Das letzte Mal [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zahnärzte sind nach Desinfektion stinkende, geldgeile Sadisten, die es im täglichen Leben unbedingt zu meiden gilt. Fakt.<br />
(Ausnahme: Schmalli. Auch Fakt.)</p>
<p>Neulich war ich so mutig und machte einen Termin bei einem. Kam auch für mich komplett überraschend. Bei der Abwägung Zahnarztbesuch versus Zahnschmerz gewann aber leider zweiteres den Battle der Emotionen.</p>
<p>Das letzte Mal beim Zahnarzt war ich in England. Mein Ex zwang mich hin. (Weil er auch zu den fiesen Menschen gehörte.) Ich war mir sicher, dass nach vier Jahren der aktiven Verdrängung des Themas ‘Zahnarztbesuch‘ <em>mindestens</em> eine Generalrestaurierung des Kiefers anstand. Der Arzt hatte seine für deutsche Verhältnisse untragbare Praxis in einem Londoner Reihenhaus mit Ekelteppich, typischer Brit-Tapete und welligen Kunstdrucken. Im engen Treppenaufgang blieb ich hinter meinem Ex zurück. Als mir der erste Schwall Zahnarztgeruch in die Nase stieg, schrillte mein Hirn so laut, dass ich mich umdrehen und wieder auf die Straße laufen musste. (Was ist das eigentlich für ein Geruch? Chloroform? Ether? Selbstgebrannter? GHB?)<br />
Ich wusste, dass Verstecken kindisch wäre. Also wartete ich, bis ich abgeholt und an der Hand nach drinnen geführt wurde. Überflüssigerweise fing ich an zu heulen. Der gemusterte Teppich machte mir Angst. Als der Arzt das erste Mal aus seinem Zimmer lugte und mich sah, musste er lachen.<br />
“Promise youre not gonna drill!“, begann ich die Verhandlungen. Er versprach, ich ließ mich untersuchen. Dann bohrte er. Ich überlebte. Und war später das stolzeste Mädchen Ost-Londons.</p>
<p>Damals beschloss ich regelmäßig zu gehen. Das war vor knapp drei Jahren. Vorsätze sind ja da, um sie zu brechen und bei nächster Gelegenheit neu zu fassen.</p>
<p>Ich bin also beim Zahnarzt am Hackeschen Markt. Es ist 20h. Business-Sprechstunde.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/p20111017-195403/" rel="attachment wp-att-949"><img class="aligncenter size-full wp-image-949" title="p20111017-195403" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/p20111017-195403.jpg" alt="" width="640" height="389" /></a><span id="more-945"></span><br />
Alles ist weiß. Und grün. Und strahlt irgendwie. Es läuft Entspannungsmusik. Es riecht kein bisschen nach Zahnarzt. Wieso nicht? Wird hier etwa nicht ordentlich desinfiziert? Im Wartezimmer blühen Pflanzen von den Wänden. Die Sprechstundenhilfe spricht mit mir als sei sie Therapeutin. Mit sanfter Stimme und furchtbar freundlich. Ich bin nicht beim Zahnarzt, ich bin im Spa. Ehrlich! Alle sehen jung, frisch und irgendwie heiß aus. Kurz bin ich traurig, dass ich mich nicht für den behandelnden Arzt entschieden habe.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/p20111017-194835/" rel="attachment wp-att-946"><img class="aligncenter size-full wp-image-946" title="p20111017-194835" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/p20111017-194835.jpg" alt="" width="640" height="480" /><br />
</a></p>
<p>Als ich so da sitze und warte sinkt meine Laune auf minus sieben (auf einer Skala von eins bis zehn). Ich stehe auf, laufe hin und her und komme mir dabei selbst komisch vor. Hoffentlich haben die da vorne keine Kamera.</p>
<p>Meine Mutter wurde damals in der Poliklinik in Brandenburg beim Zahnarzt in Massenabfertigungshallen so gefoltert, dass sie total glücklich ist heutzutage überhaupt zu einer menschenwürdigen Behandlung gehen zu dürfen. Ihre Erinnerungen an prähistorische Dentalzeiten ändern an meinen Gefühlen aber nichts. Ich schmeiße ja auch ohne Reue Kartoffelschalen weg, während meine Oma die lieber aufheben würde.</p>
<p>Dann gehe ich aufs Klo. Auch dort läuft Musik, die Handtücher sind sauber gerollt, die Fliesen blitzen. Ich gucke in den Spiegel. Vom Kinn bis tief ins Decolletee ziehen sich dunkelrote Stressflecken. Ich sehe aus wie ein anaphylaktischer Schocker. Bleibt eigentlich noch Zeit zur Flucht? Vielleicht hätte ich die Sprechstundenhilfe am Eingang in einer starken Minute nicht vorwarnen sollen. Ich bin gefangen auf Arztcatraz. Dentophobia The Sequal.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/p20111017-200029-1-1/" rel="attachment wp-att-950"><img class="aligncenter size-full wp-image-950" title="p20111017-200029-1-1" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/p20111017-200029-1-1.jpg" alt="" width="338" height="481" /></a></p>
<p>Während ich beim<span style="color: #3366ff;"> <a title="Waxing für Anfänger" href="http://mymagictypewriter.com/waxing-fur-anfanger/" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">Intimwaxing</span></a></span> damals die Vorteile des zu erwartenden Outcomes schon vor der Behandlung konkret benennen konnte, ist das einzige das mir zum Thema Zahnarzt einfällt: Wenn du jetzt gehst, dann <em>könntest</em> du <em>eventuell</em> weniger Schmerzen beim nächsten  Besuch haben. Das ist mir nicht konkret genug. Das rechtfertigt das Grauen nun wirklich in keinster Weise.</p>
<p>“Frau Müller bitte?“<br />
Durchatmen. Du kannst jederzeit vom Stuhl springen und die Polizei rufen. Ich gehe in den Raum und setze mich auf den hellen Lederstuhl.<br />
Frau Fleck fragt mich, warum ich da sei.<br />
“Ich will um die Uhrzeit wirklich nicht meckern, aber ich habe Panik“, sage ich, während ich die Geräte auf der Ablage vor mir scanne. „Doll.“<br />
Sie legt ihre Hand auf meinen Arm. “Wir gucken erstmal nach, Frau Müller. Sie müssen keine Angst haben.“<br />
Irgendwie ist sie sympathisch. Kann nicht viel älter sein als ich. Weiß die überhaupt wo sie hinbohren muss? Ich würde lieber mit ihr ein Bier trinken gehen.<br />
Sie guckt mir in den Mund. Ich fühle meine Stressflecken mit jedem Herzschlag aufblinken.<br />
“Ach, sie haben aber niedliche Weisheitszähne. Haben sie die schon mal gesehen?“<br />
“Nein?“ Es ist wirklich schwierig Zähne hinten oben  im Kiefer zu betrachten&#8230;<br />
Sie nimmt einen Stift mit Kamera und projiziert meinen Backenzahn auf einen 27-Zoll-Screen vor meinem Gesicht.<br />
Als ich das letzte Mal beim Zahnarzt war, hat man noch mit Hammer und Meißel behandelt. Ich bin beeindruckt. Kann ich das Bild gleich per Voice Command ins Netz beamen?<br />
Dann macht sie Fotos von einem kleinen Riss im Schneidezahn, von der Wurzelbehandlung, von der Füllung aus England (“Keine schöne Arbeit.“ &#8211; “Dafür aber umsonst.“) und von meinem einseitigen Kreuzbiss. Die Galerie meines Mundes ist wirklich nur mäßig schön. Aber irgendwie auch geil. Hatte ich noch nie gezeigt bekommen.<br />
Jeden Schritt ihrer Untersuchung kommentiert sie ausgiebig. Den Unterschied zwischen Krone und Inlay darf ich sogar selbst an einem Klappergebiss erfühlen.<br />
So schlimm war das im Nachhinein betrachtet alles gar nicht. Vielleicht aber auch nur, weil sie nur geguckt hat.</p>
<p><strong>Wer als erster errät wie viele Zähne genetisch nicht in meiner Orofazialebene angelegt sind, darf mich bei einem der folgenden Termine zum Zahnarzt begleiten: 03.11. um 13:30h, 4.11. um 8:30h oder 9.11. ebenfalls um 8:30h. </strong><br />
<strong>Meet &amp; Greet mit Frau Fleck. Good luck!</strong></p>
<p>PS: Suche Zweitjob für ein Inlay.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
