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	<title>mymagictypewriter. &#187; neukölln</title>
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		<title>U8 und die Leinestraße &#8211; Gefahren, Gerüche, Geschissenes.</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 09:15:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Brauner Salon und Umgebung.]]></category>
		<category><![CDATA[gestank]]></category>
		<category><![CDATA[leinestraße]]></category>
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		<description><![CDATA[Heute möchte ich weg von den üblichen Themen (Männer, Kühlschränke, Waxing) und hin zu etwas mehr Kultur. Deswegen habe ich mir ein geschichtsträchtiges, öffentlich zugängliches Bauwerk ausgesucht und es auf seine Bedeutung in der heutigen Zeit erforscht – den U-Bahnhof Leinestraße. Namensgebung: Angeblich ist die Leine ein Fluss in Niedersachsen und deshalb Namenspatron des Bahnhofes. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Heute möchte ich weg von den üblichen Themen (<span style="color: #3366ff;"><a title="Checkliste für brauchbare Männer" href="http://mymagictypewriter.com/checkliste-fur-brauchbare-manner/"><span style="color: #3366ff;">Männer</span></a></span>, <span style="color: #3366ff;"><a title="Kühlschrank – eine WG-Bewohnerin zieht Bilanz." href="http://mymagictypewriter.com/kuhlschrank-eine-wg-bewohnerin-zieht-bilanz-cathi-kramer-im-exklusiven-interview/"><span style="color: #3366ff;">Kühlschränke</span></a></span>, <span style="color: #3366ff;"><a title="Wax and the City – die Pobacken-Konspiration." href="http://mymagictypewriter.com/wax-and-the-city-%e2%80%93-die-pobacken-konspiration/"><span style="color: #3366ff;">Waxing</span></a></span>) und hin zu etwas mehr Kultur. Deswegen habe ich mir ein geschichtsträchtiges, öffentlich zugängliches Bauwerk ausgesucht und es auf seine Bedeutung in der heutigen Zeit erforscht – den U-Bahnhof Leinestraße.</p>
<p><strong>Namensgebung:<br />
</strong>Angeblich ist die Leine ein Fluss in Niedersachsen und deshalb Namenspatron des Bahnhofes. Jeder, der sich ein bisschen in Neukölln auskennt, weiß aber, dass es sich hierbei um einen Reminder für alle Hundebesitzer à la „Alter, nimm deinen scheiß Dobermann an die Leine“-Straße handelt.</p>
<p><strong>Historie:<br />
</strong>Der U-Bahnhof Leinestraße ist eine Station der U8 in Neukölln. Er wurde 1929 nach einer Bauzeit von zwei Jahren eröffnet und wird im Bahnhofsverzeichnis der BVG mit L abgekürzt. Diese sachliche Perle der Berliner Verkehrsbetriebe war bis 1996 Endbahnhof der U-Bahnlinie 8, erst dann erfolgte die Erweiterung bis zum heutigen Endbahnhof Hermannstraße. Im 2. Weltkrieg wurden die Tunnelanlagen als Luftschutzbunker genutzt.<br />
Der Bahnhof ist nicht barrierefrei (für alle Krückengänger wie mich also diesbezüglich eher unangenehm) und blieb seit seiner Eröffnung nahezu unverändert. Deswegen regnet es vielleicht auch immer rein.<br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Handel:<br />
</strong>Im Bahnhof Leinestraße findet unheimlich viel kultureller Austausch statt. Vor allem, wenn es um Drogen geht. Denn hier ist ein Unique Selling Point für Substanzen aller Art. Meist im Mund transportiert passieren die Übergaben in Sekundenbruchteilen und können von Laien auch durchaus mit einem „Ich hab da was zwischen den Zähnen klemmen“ gefolgt von einem coolen Handshake zweier Lederjackenträger verwechselt werden. Nach jeder aus Versehen bemerkten Übergabe sieht man sich selbst mit Messer im Rücken oder im Zeugenschutzprogramm der hiesigen Polizei. Am liebsten trage ich persönlich deshalb tagsüber ein Shirt mit der Aufschrift „No worries &#8211; ich kann mir wirklich keine Gesichter merken.“</p>
<p><strong>Marketing:<br />
</strong>Die grünen Hintergleis-Werbeflächen sind fast alle leer. Das macht natürlich stutzig. Wird hier keine kaufkräftige Community erwartet? Sind die Neuköllner es etwa nicht wert, beworben zu werden? Für nur 5-15 Euro am Tag könnt ihr eine diese verrotteten Flächen übrigens mieten. Weitere Infos gibt es auf <span style="color: #3366ff;"><a href="http://www.draussenwerber.de/"><span style="color: #3366ff;">www.draussenwerber.de</span></a></span>.<br />
Eine einzige Firma hat sich getraut, diesen attraktiven Standort für sich zu nutzen: Picaldi.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Schriftzug:</span> Picaldi – Protect the Original.<br />
<span style="text-decoration: underline;">Protagonisten:</span> Drei junge Männer mit Migrationshintergrund, die einen Basketball tragen und Jogginganzüge in Weiß und Hellgrau mit großen Logos. Außerdem: Zwei tussige Mädchen mit viel zu kurzen Jeansröcken.<br />
<span style="text-decoration: underline;">Setting:</span> Eine abrissreife Fabrikhalle. Edgy!<br />
<span style="text-decoration: underline;">Nachbearbeitung:</span> Der digitale, polarisierende Effekt, der auf dem Hintergrund liegt, verdient ein Eins A mit Sternchen.<br />
<span style="text-decoration: underline;">Trivia:</span> Das Label selbst warb zeitweise mit dem Claim: „Nix Aldi &#8211; Picaldi“ und verdient schon alleine deswegen fette Props. Schön, dass du in Neukölln bist.<br />
<strong><br />
Publikum:<br />
</strong>Das ist neben Crime-Faktor die eigentliche Stärke des Bahnhofs. Hier geben sich Obdachlose, junge Mütter, Türken, alt-berliner Originale und Hipster die Hand. Wenn man einen Menschen sieht, den man als generell überlebensfähig einstuft – nickt man ihm in der Regel kurz und anerkennend zu – so wie Europäer in Japan erkennt man sich hier an Styling und Aussprache.<br />
Mit einer derzeitigen Gehbehinderung fühle ich mich erstmalig völlig integriert ins Bahnhofsgeschehen. Während ich die Treppe hinunterhumple, grüßt mich eine Oma, die sich gerade nach oben müht. Mit Turnschuhen, Jogginghose und der royalblauen Gehhilfe sehe ich aus wie der Durchschnittsneuköllner. Ein junger Türke lässt mir den Vortritt in die U8. Wenn ich die Krücken nicht mehr brauche, werde ich sie vielleicht trotzdem noch benutzen. Die öffnen Tor und Tür in die Herzen aller sozialen Schichten. Nur einen Fahrstuhl bräuchte ich noch zu meinem Glück. Treppen sind out!</p>
<p><strong>Flirtfaktor:</strong><br />
Volle Punktzahl auf dem Flirtbarometer. Hier bleibt man nicht lange alleine. Und die Auswahl ist riesig! Vom Besoffenen, der gerne seine Flasche teilen würde, bis zum 10-Jährigen mit Bock auf Analverkehr ist wirklich alles dabei.</p>
<p><strong>Interieur:<br />
</strong>Die Wände und Säulen sind mit Keramik-Fliesen verziert, die von der Richard Blumenfeld Veltener Ofenfabrik AG angefertigt wurden. Grün, die Farbe der Hoffnung. Toll. Wofür aber dieses blasse Pantone 579 steht, bleibt eines der Geheimnisse des Charakterbahnhofs.<br />
Sprühtechnisch haben zwei Fraktionen das Gelände in fester Hand: die Neukölln Hustlers und Ficka 94. (Ist das etwa sein Geburtsdatum???)<br />
Die einzigen Sitzmöbel stellen massive graue Bänke aus Holz dar. Definitiv zu schwer zum Wegtragen. Ohne jegliche Abtrennung vom Nachbarn laden sie zum Kuscheln ein – wer keinen Partner hat, findet ersatzweise Spucke, Bierdosen, Zigaretten und Hunde. Mit einem schönen Doppelkorn kann man sich hier mit dem/der/den Liebsten an einem Samstag Abend niederlassen und einfach mal gucken. Die Coke Opera läuft  jeden Tag.</p>
<p><strong>Multimedia:</strong><br />
Der Internetempfang im Bahnhof ist erbärmlich. Da kann man lange versuchen Google zu laden &#8230; Im Treppenhaus nördlicher- und südlicherseits brechen bestehende Telefonverbindungen ausnahmslos ab. Damit bin ich nicht einverstanden. Wie gründet man noch mal eine Bürgerinitiative?</p>
<p><strong>Gesamt-Experience:<br />
</strong>Auch wenn es an Shoppingmöglichkeiten eindeutig mangelt, punktet der U-Bahnhof Leinestraße klar auf (zwischen)menschlicher Ebene. Es zählen keine Äußerlichkeiten, hier wird noch auf die inneren Werte &#8211; Weirdness &amp; Promille im Blut &#8211; geachtet. Die Stammkundschaft hat dabei keine Angst vor großen Gefühlen. Endlich ein Ort, an dem man so sein kann, wie man ist.<br />
Eine Oase, die zum Verweilen und Gentrifizieren einlädt. Erfrischend unprätentiös mit dem nötigen Crime-Faktor für den kleinen Kick/Schuss zwischendurch. Unbedingt empfehlenswert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Gerüche:<br />
</strong>Die Gerücheküche brodelt in der U8 angeblich besonders gnadenlos. Hört man ja immer wieder. Zeit, den Weg zur Arbeit für eine fundierte Geruchsanalyse zu nutzen. Febereze-Frische versus Stinkbombe.</p>
<p>Ich platziere mich auf dem Arbeitsweg von Neukölln nach Mitte strategisch geschickt am Gangplatz einer Vierer-Sitzgruppe. Alles besetzt mit recht durchschnittlich anmutenden Fahrgästen. Ich nehme eine volle Nase. Um ehrlich zu sein, rieche ich aber nur meine eigene Handcreme. Weleda-Sanddorn. Wo sind denn jetzt Urin, Schweiß und billige Aftershaves? Ich bin etwas enttäuscht. Duschen die meisten Neuköllner also doch? Sollte ich am End selbst die einzige Geruchssensation bleiben? Dieses Sanddorn ist aber auch aufdringlich. Na, vielleicht habe ich morgen mehr Glück. Oder vielleicht nachts. Wer trägt um neun Uhr morgens schon Schweiß und Döner? Ich bleib dran.</p>
<p>Ich fahre und fahre und fahre. Tagelang. Wochenlang. Meine stinkenden Gelüste werden ignoriert. Es riecht mindestens so gut wie in der U6 oder U7. Plus Sanddorn. Das Vorurteil, man könne ohne Mundschutz kaum in die U8 steigen, bleibt unbewiesen. Ein einziges Mal in zwei Monaten zieht ein Penner durch die Reihen und verbreitet einen Gestank, dessen Zusammensetzung mir ein Rätsel bleibt. Ich tippe auf eine Kopfnote von Schweiß, eine Herznote von Schnaps und eine entschiedene Basis aus Scheiße.<br />
Aber zählt das? Reicht das, um den Ruf der U8 zu bestätigen? Ich finde nicht.</p>
<p><strong>Fazit:<br />
</strong>Alles, das in der U8 aufdringlich riecht, sind ich und meine Handcreme. Ich entschuldige mich hiermit bei allen Fahrgästen für die Unannehmlichkeiten der letzten Jahrzehnte – auch generell für alle Zugverspätungen, winterbedingten Ringbahnausfälle und kaputten Fahrkartenautomaten. Ich gelobe, altruistisch wie ich bin, ab nun an nur noch ph-neutrale Deokristalle zu benutzen und meine Hände mit Vaseline einzucremen.</p>
<p>Hiermit erkläre ich die geruchslose U8 für eröffnet!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>PS: Like <span style="color: #3366ff;"><a href="https://www.facebook.com/MyMagicTypewriter" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">MyMagicTypewriter. </span></a></span>on Facebook.</p>
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		<title>Auf Drogensuche mit dem dicken Rolf* (*Name und Statur geändert)</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2011 17:50:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auch ich war mal jung.]]></category>
		<category><![CDATA[Brauner Salon und Umgebung.]]></category>
		<category><![CDATA[Passt in keine Schublade.]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstversuch of Death.]]></category>
		<category><![CDATA[Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.]]></category>
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		<description><![CDATA[Mein Telefon klingelt. Es ist der dicke Rolf. “Ich hab schon überall nach Gras* gefragt. Keiner hat was. Also wirklich nicht. Kommst du mit mir in die Hasenheide* was kaufen?“ (*Suchtmittel und Location geändert) “In die Hasenheide? Zum Drogen kaufen? Du spinnst doch!“ “Ach komm, voll easy. Du  musst nichts machen, ich wickle den Deal ab.“ [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Telefon klingelt. Es ist der dicke Rolf.<br />
“Ich hab schon überall nach Gras* gefragt. Keiner hat was. Also wirklich nicht. Kommst du mit mir in die Hasenheide* was kaufen?“ <em>(*Suchtmittel und Location geändert)</em><br />
“In die Hasenheide? Zum Drogen kaufen? Du spinnst doch!“<br />
“Ach komm, voll easy. Du  musst nichts machen, ich wickle den Deal ab.“<br />
“Nee. Keine Lust.“<br />
“Du darfst auch darüber bloggen. Abenteuer pur!“<br />
“Inklusive Interview mit dir &#8211; dem drogenabhängigen, dicken Rolf?“<br />
“Klar. Bringst du Geld* mit?“ <em>(*Zahlungsmittel geändert)</em></p>
<p>Kurz später hebe ich einen Zehner in kleinen, nicht nummerierten Scheinen am Bankautomaten ab. Ich trage Turnschuhe für die eventuell bevorstehende Flucht. Und einen schwarzen Kapuzenpulli*. <em>(*Outfit geändert)</em></p>
<p>So bin ich damals im Londoner Ghetto auch immer rumgerannt, um nicht verprügelt zu werden. Vom meiner Oma habe ich den Trick mit dem Ruß im Gesicht. Weil wegen der Russen. Mit einer Zigarette brenne ich mir schnell noch ein paar Narben auf die Wangen. Ich sterbe heute nicht beim Versuch Drogen zu kaufen!<br />
Es regnet in Strömen*. <em>(*Wetterverhältnisse geändert)</em><br />
Die Sonne ist schon so gut wie untergegangen. Ich stehe am Hermannplatz und warte auf meinen geheimnisvollen Partner in Crime.<br />
Schon von weitem sehe ich, dass der dicke Rolf eine goldene Kurzjacke aus Plastik trägt.<br />
“Willst du, dass die uns gleich abstechen oder was?“, frage ich ihn.<br />
Er guckt an sich herunter und zuckt mit den Schultern. “Hatte nichts anderes.“<br />
Wir laufen durch den schummrigen Park, drängen uns unter den kleinen Regenschirm, den ich mitgebracht habe. Bei dem Wetter gehen doch nicht mal Dealer raus oder?<br />
Der dicke Rolf bleibt stehen. “Komm, lass uns gehen. Mir ist nicht so wohl.“<br />
“Blödsinn. Du hast doch nur Schiss.“<br />
Der dicke Rolf hakt sich bei mir unter, dann gehen wir weiter. Wir halten Ausschau nach jemandem mit schwarzer Lederjacke. Ticker tragen nämlich alle schwarze Lederjacken. Fact*.<em> (*Fact geändert)</em><br />
Auf einem dunklen Weg zeichnen sich in einiger Entfernung drei Gestalten ab.<br />
“Oh Gott!“, heult der dicke Rolf neben mir.<br />
Wir gehen näher. Eine der drei Personen unterbricht das Gespräch mit den anderen und tritt auf uns zu in die Mitte des Weges.<br />
“Kssss, kssss. Weed?“ Es ist ein junger Araber mit &#8211; seht, seht &#8211; schwarzer Lederjacke. Dazu trägt er eine Gesichtsmumu (kurzer, dünner Schnurrbart, der um den Mund herumführt und am Kinn wieder zusammenläuft). Die anderen beiden Menschen, die er ja zu kennen scheint, gucken doof auf die goldene Jacke.<br />
“Weed?“, wiederholt der Dealer.<br />
Der dicke Rolf nickt heftig ohne dabei etwas zu sagen.<br />
“Wie viel?“ Der Araber kaut Kaugummi und zieht etwas Schleim hoch.<br />
Der dicke Rolf starrt nur nutzlos.<br />
<img title="drug-dealer-magnets" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/2011/08/drug-dealer-magnets.jpg" alt="" width="430" height="430" />“Fürn Zehner“, sage ich. Dabei gucke ich unter meiner Kapuze hervor, wie Lil Kim, wenn man ihre Mutter beleidigt hat. Meine Brandnarben schimmern bestimmt schön im Schein der Laterne.</p>
<p>Der Dealer spürt sofort, dass er es hier mit Vollprofis zu tun hat. Er zieht einen großen, durchsichtigen Beutel Gras aus seiner Jackentasche hervor. Gras oder Majoran, so ganz genau kenne ich den Unterschied nicht.<br />
“Hältst du Hand auf“, befiehlt er dem dicken Rolf.<br />
Zitternd schiebt dieser seine Hand nach vorne. Der Dealer lacht und legt drei lose Brocken Gras hinein. “Musst du klein machen.“<br />
Der redet mit uns, als wären wir Anfänger! Dankbar merken wir uns seinen Tipp. Ich tue so, als fände ich die Menge angemessen und hoffe, dass wir gerade nicht total über den Tisch gezogen werden.<br />
Der dicke Rolf übergibt den zerknüllten Zehner und verbeugt sich dabei unterwürfig. Ich trete ihm von der Seite gegen die Wade.<br />
“Danke“, sage ich und nicke dem Dealer zu.<br />
Dann drehen wir uns um und gehen. Rolfs ergonomische Joggingschuhe mit Reflektoren und Klettverschluss quietschen auf dem nassen Asphalt. Als wir um die Ecke sind, zischt er: “Hier, nimm du. Schnell!“<br />
Ich nehme Rolf den Haufen warmgehaltenes Gras ab. Wir ziehen eine markante Geruchsspur hinter uns her.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dann stehen wir wieder auf der Hauptstraße.<br />
Der dicke Rolf lacht. “War ja voll easy. Der hatte bestimmt mehr Angst vor uns, als wir vor ihm.“<br />
&#8220;Hmm, genau. Darf ich dich jetzt interviewen?&#8221;<br />
&#8220;Auf gar keinen Fall! Komm, wir holen Pizza*.&#8221; <em>(*Fast Food geändert)</em></p>
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		<title>Vorurteile bestätigt. Heute: Neuköllner Kneipen.</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Mar 2011 22:12:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Brauner Salon und Umgebung.]]></category>
		<category><![CDATA[Ein schönes Bad in Selbstmitleid.]]></category>
		<category><![CDATA[Ich liebe Deutscheland.]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstversuch of Death.]]></category>
		<category><![CDATA[eckkneipe]]></category>
		<category><![CDATA[kneipe]]></category>
		<category><![CDATA[neukölln]]></category>
		<category><![CDATA[schillerpromenade]]></category>
		<category><![CDATA[schillers eck]]></category>
		<category><![CDATA[zombies]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich hatte immer die Hoffung, dass man in Neukölln einfach mal mutig in eine beliebige Eckkneipe fallen könnte, um einen Schnaps zu trinken. Frei von Vorurteilen und Argwohn. Nun musste ich ins &#8220;Schiller&#8217;s Eck&#8221;, um ein Paket abzuholen&#8230; Mir ist schon etwas gruselig zumute, als ich die Tür öffne. Und siehe da- tatsächlich trete ich in [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte immer die Hoffung, dass man in Neukölln einfach mal mutig in eine beliebige Eckkneipe fallen könnte, um einen Schnaps zu trinken. Frei von Vorurteilen und Argwohn.</p>
<p>Nun musste ich ins &#8220;Schiller&#8217;s Eck&#8221;, um ein Paket abzuholen&#8230;</p>
<p>Mir ist schon etwas gruselig zumute, als ich die Tür öffne. Und siehe da- tatsächlich trete ich in eine Art Parallelwelt, in der Zombies regieren. Zombies und ihre Hunde. Große, kleine, zottelige, kahle. Und alle starren sie mich mit ihren blutunterlaufenen Augen an, als ich noch so in der Tür rumstehe. Jedenfalls glaube ich das. Es ist sehr rauchig und riecht nach alten, nassen Wollipullis von Humana.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/2011/03/28-days-later-zombies.jpg"><img class="aligncenter" title="BRAINY ZOMBIES" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/2011/03/28-days-later-zombies.jpg" alt="" width="355" height="233" /></a></p>
<p>&#8220;Guten Abend&#8221;, versuche ichs erstmal auf die höfliche Tour und wage dann den Vorstoß Richtung Bar. Die Barkeeperin mit der oldschool Dauerwelle zapft weiter Bier und glotzt. Jetzt muss schnell gehandelt werden. Ich greife in meine Tasche. Ein dünner Mann mit Halbglatze und Unterhemd hält seinen Hund davon ab mir ins Knie zu beißen. Wie lieb von ihm. Ich ziehe eine DHL-Karte hervor und sage &#8220;Ich wollte ein Paket abholen.&#8221;</p>
<p><span id="more-554"></span></p>
<p>Ein sehr alter Mann an der Bar grunzt leise ohne mich anzugucken. &#8220;Ein Paket&#8221;, wiederhole ich. Aus der Ecke kommen mir verdächtig riechende Nebelschwaden entgegen. Ein dicker Typ mit Halbglatze quarzt fröhlich und alleine vor sich hin. Das muss der Außenseiter der Truppe sein. Mir auf Anhieb sympathisch. Den essen die bestimmt als erstes auf, wenn ihnen die Hunde ausgehen.</p>
<p>Ein Schlägertyp gehobenen Alters kommt hinter der Bar hervor und nimmt mir den Paketschein ab. Ich lächle unsicher. Seine Lederweste verursacht in mir Unbehagen. Ebenso das ungleiche Pärchen, das sich an der Bar neben mir gegenseitig zulallt, zuqualmt und Kurze kippt. Es ist etwa 16 Uhr an einem Montag.</p>
<p>Zwei mittelgroße Hunde - einer mit Flecken, der andere sehr knochig &#8211; paaren sich in einer dunklen Ecke bei dem Plastikfic(k)us. Eine Dame schmeißt einen Tennisball nach den beiden und brüllt &#8220;Eeeey!&#8221;. Ich möchte mich inzwischen gerne selbst verstümmeln.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-576" title="shaun_of_the_dead_zombies" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/2011/03/shaun_of_the_dead_zombies.gif" alt="" width="400" height="264" /></p>
<p>Die Lederweste kommt mit meinem Paket wieder. Und raucht. Ich nehme den Karton entgegen und sage brav danke. Der Typ glotzt nur. Dann drehe ich mich möglichst unauffällig um und gehe zur Tür. Einen kurzen Moment habe ich das Gefühl, dass sich alle neun Besucher und ihre zehn Hunde hinter mir zu einem riesigen Fleshmob aufgebaut haben, um mir die Eingeweide von hinten durch die Schulterblätter zu zerren.</p>
<p style="text-align: center;">
<p>Ich drehe mich blitzschnell um. Alle rauchen und lallen und die Hunde pimpern wieder.</p>
<p>Vielleicht möchte ich hier in Zukunft aber lieber doch kein Bier trinken gehen&#8230;</p>
]]></content:encoded>
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