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	<title>mymagictypewriter. &#187; berlin</title>
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		<title>47 Minuten im Berghain</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Sep 2013 14:05:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Intro-Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Saufen für Fortgeschrittene.]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstversuch of Death.]]></category>
		<category><![CDATA[Treffen sich 2, sind es 4.]]></category>
		<category><![CDATA[berghain]]></category>
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		<category><![CDATA[carlos de brito]]></category>
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		<description><![CDATA[»Und ich dachte schon, die Schlange bei Mustafas Gemüsekebab sei lang!« Ich stehe mit Alex vorm Berghain. Kurz bin ich versucht, Wasser und proteinreiche Energieriegel an die Wartenden zu verteilen. Aber was kümmern mich die anderen: Hauptsache wir stehen auf der Gästeliste. Der Türsteher sieht das nicht ganz so und will uns auf seinem Klemmbrett partout [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>»Und ich dachte schon, die Schlange bei Mustafas Gemüsekebab sei lang!« Ich stehe mit Alex vorm <strong>Berghain</strong>. Kurz bin ich versucht, Wasser und proteinreiche Energieriegel an die Wartenden zu verteilen. Aber was kümmern mich die anderen: Hauptsache wir stehen auf der Gästeliste. Der Türsteher sieht das nicht ganz so und will uns auf seinem Klemmbrett partout nicht finden. In einem Anfall von Selbstüberschätzung sage ich: »Sie werden sich vielleicht erinnern, ich war vor sieben Jahren schon mal hier. Mit Bunny und Sunny.« Dabei gucke ich ihm direkt in die Augen. Er knurrt mich zurecht an. Nach langen vier Minuten Diskussion lässt er uns endlich rein. Glück gehabt! Sonst wäre mir noch das <strong>Berghain</strong> entgangen!</p>
<p>Eine burschikose Frau im Eingangsbereich befummelt erst meine Tasche und dann meinen Körper. »Haste ne Kamera dabei?«, will sie wissen. Habe ich ausnahmsweise nicht. Aus meiner Handtasche zieht sie mein Telefon. »Wenn du Fotos machst, fliegst du raus«, schnauzt sie mich pro forma schon mal an. »Ja klar. Wenn Sie mich so freundlich darauf hinweisen &#8230; Schön haben Sie es hier übrigens. Und wie viele Leute Sie jeden Tag kennenlernen &#8230; Toll! Falls Sie mal in Neukölln sind und Lust auf einen Kaffee haben, melden Sie sich doch. Sie wissen ja inzwischen, wo ich wohne. Hihi!«, denke ich und gehe schnell weiter. Aus einem Fenster heraus haut mir jemand so wuchtig einen Stempel auf den Arm, als wolle er ihn dauerhaft dort platzierten. Oder hätte zumindest Spaß am Leid Fremder.</p>
<p>Nachdem wir unsere Sachen abgegeben haben, stehen wir im Innern der Fabrik. Hier herrscht das fortgeschrittene Luftfeuchtigkeitslevel »Bangkok nach einem Sommerregen«. Ich greife meine Ohrstöpsel und brülle Alex zu, dass ich Angst hätte und vielleicht doch einfach zu alt sei für Technoclubs. Er zieht mich an der Hand vorbei an ledernen Männern (weniger ist mehr), Eis essenden Mädchen und verschmutzten Tänzern. Hätte ich doch bloß mehr getrunken! Wie konnte ich mich nur so fahrlässig wenig besaufen? Ich meine: ein Drink? Für die Pannebar? Hallo? Wir hechten Stahltreppen hinauf und dann durch die Menge zur Bar. Alle um uns herum trinken Wasser. Ich bestelle widerwillig einen Wodka Cranberry und habe ab sofort keine Hand mehr frei &#8211; die eine hält den Drink, die andere hält den Drink zu. Am Ellenbogen schleift Alex mich weiter zum Mischpult. Erste Reihe. Na klar! Warum auch nicht.</p>
<p>Ich sage Linda und ihrem Diskogesicht hallo und werde mit einer Runde Augenbrauen-Breakdance belohnt. Es ist so schrecklich, dass ich kaum hingucken kann. »Welchen Tag haben wir?«, fragt sie. »Sonntagmorgen«, antworte ich, Linda hört aber schon nicht mehr zu. Ist ja auch egal. Es ist der Tag zwischen Freitag und Montag – mehr muss man nicht wissen. Apropos! Ich gucke auf die Uhr. Schon neun Minuten hier. Wow! »Wir bleiben aber nicht sooo lange, oder?«, frage ich Alex. »Wieso? Die Musik ist doch super!« &#8211; »Ach?&#8221;, hake ich nach. »Ja. Falls dich jemand fragt: Die Musik ist super.« Ich nicke. Falls ihr euch übrigens fragt: Die Musik war super. #carlosdebrito</p>
<p>Während ich versuche keine Nackten zu berühren, tänzele ich mit meinem Drink auf der Stelle herum. Dabei bestaune ich vom Dancefloor das Panorama der gefühlt Tausenden Wartenden vor dem Club. »Wie viele Leute passen hier rein?« &#8211; »Circa dreitausend? Im Durchlauf?«, schätzt Alex. 3000 Leute mal 3 Tage mal 14 Euro minus Sven Marquardts Gage … Das macht in etwa … Also Pi mal Daumen &#8230; Da muss man ja Punkt vor Strich … Ach verdammt, kann ich nicht rechnen, aber: viel Geld!</p>
<p>Beeindruckt stelle ich meinen leeren Drink am Fenster ab. Ein kleiner, vielleicht italienischer Mann tippt mir auf die Schulter. »Kennst du Olli?« Ich schüttle mit dem Kopf. »Willst du mit auf die Toilette kommen?«, fragt er weiter. Jesus Maria, kann man denn nicht ein Mal gemütlich im <strong>Berghain</strong> zu Techno tanzen wie man es so liebt?? »Nee, ich war gerade schon pinkeln«, lüge ich und gehe zurück zu Alex.</p>
<p>Nach 47 Minuten ist der inzwischen auch endlich am Ende mit den Nerven. Es ist ja auch schon drei Uhr durch! Wir machen einen Polnischen (als würde es jemandem auffallen), schlendern vorbei an der immer noch kilometerlangen Schlange und steigen ins Taxi.</p>
<p>Zu Hause wühle ich auf meiner externen Festplatte. Unter &gt; Eigene Bilder &gt; Berlin &gt; 2006 werde ich fündig: ein gestochen scharfes Bild aus der Panoramabar:</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-4260" alt="Intro_Kolumne_Jule_Müller_Berghain" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/Intro_Kolumne_Jule_Müller_Berghain.jpg" width="640" height="480" /></p>
<p>Ha! Pannebar, nimm das!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;">Dieser Text erschien auch im <span style="color: #3366ff;"><strong><a title="Intro-Magazin online" href="http://www.intro.de/news/newsfeatures/23072662/vom-winde-verwoehntkolumne-neues-aus-jules-welt" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">Intro-Magazin</span></a></strong></span>.<br />
Alle meine Intro-Texte gibt es <span style="color: #3366ff;"><strong><a title="Jule Müllers Intro-Profil" href="https://www.intro.de/logintro/916833" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">hier</span></a></strong></span>.</p>
<p style="text-align: center;">Außerdem interessiert dich noch: meine <span style="color: #3366ff;"><strong><a title="Gefangen im Bauch des fiesen Kater Holzigs." href="http://mymagictypewriter.com/gefangen-im-bauch-des-fiesen-katers/" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">Nacht im Kater Holzig</span></a></strong></span><span style="color: #3366ff;"><span style="color: #3366ff;"><span style="color: #000000;">,<br />
</span></span></span><span style="color: #3366ff;"><span><span style="color: #000000;">die <strong><span style="color: #3366ff;"><a title="Gay Night Out. All in." href="http://mymagictypewriter.com/gay-night-out-all-in/" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">Gay Night im Weekend</span></a></span></strong></span></span></span><strong><span style="color: #3366ff;"><span><br />
</span></span></strong>und <strong><span style="color: #3366ff;"><a title="Bock auf Disco Krebs. Deutschlands älteste Disco im Test." href="http://mymagictypewriter.com/bock-auf-disco-krebs/" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">die älteste Disko Deutschlands</span></a></span></strong>.<br />
Klar.</p>
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		<title>Zahnärzte: ein Traum(a) in Weiß</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Oct 2011 10:40:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Achtung! Mädchenkrams.]]></category>
		<category><![CDATA[Ein schönes Bad in Selbstmitleid.]]></category>
		<category><![CDATA[Ich liebe Deutscheland.]]></category>
		<category><![CDATA[Ode an England.]]></category>
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		<category><![CDATA[zähne]]></category>

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		<description><![CDATA[Zahnärzte sind nach Desinfektion stinkende, geldgeile Sadisten, die es im täglichen Leben unbedingt zu meiden gilt. Fakt. (Ausnahme: Schmalli. Auch Fakt.) Neulich war ich so mutig und machte einen Termin bei einem. Kam auch für mich komplett überraschend. Bei der Abwägung Zahnarztbesuch versus Zahnschmerz gewann aber leider zweiteres den Battle der Emotionen. Das letzte Mal [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zahnärzte sind nach Desinfektion stinkende, geldgeile Sadisten, die es im täglichen Leben unbedingt zu meiden gilt. Fakt.<br />
(Ausnahme: Schmalli. Auch Fakt.)</p>
<p>Neulich war ich so mutig und machte einen Termin bei einem. Kam auch für mich komplett überraschend. Bei der Abwägung Zahnarztbesuch versus Zahnschmerz gewann aber leider zweiteres den Battle der Emotionen.</p>
<p>Das letzte Mal beim Zahnarzt war ich in England. Mein Ex zwang mich hin. (Weil er auch zu den fiesen Menschen gehörte.) Ich war mir sicher, dass nach vier Jahren der aktiven Verdrängung des Themas ‘Zahnarztbesuch‘ <em>mindestens</em> eine Generalrestaurierung des Kiefers anstand. Der Arzt hatte seine für deutsche Verhältnisse untragbare Praxis in einem Londoner Reihenhaus mit Ekelteppich, typischer Brit-Tapete und welligen Kunstdrucken. Im engen Treppenaufgang blieb ich hinter meinem Ex zurück. Als mir der erste Schwall Zahnarztgeruch in die Nase stieg, schrillte mein Hirn so laut, dass ich mich umdrehen und wieder auf die Straße laufen musste. (Was ist das eigentlich für ein Geruch? Chloroform? Ether? Selbstgebrannter? GHB?)<br />
Ich wusste, dass Verstecken kindisch wäre. Also wartete ich, bis ich abgeholt und an der Hand nach drinnen geführt wurde. Überflüssigerweise fing ich an zu heulen. Der gemusterte Teppich machte mir Angst. Als der Arzt das erste Mal aus seinem Zimmer lugte und mich sah, musste er lachen.<br />
“Promise youre not gonna drill!“, begann ich die Verhandlungen. Er versprach, ich ließ mich untersuchen. Dann bohrte er. Ich überlebte. Und war später das stolzeste Mädchen Ost-Londons.</p>
<p>Damals beschloss ich regelmäßig zu gehen. Das war vor knapp drei Jahren. Vorsätze sind ja da, um sie zu brechen und bei nächster Gelegenheit neu zu fassen.</p>
<p>Ich bin also beim Zahnarzt am Hackeschen Markt. Es ist 20h. Business-Sprechstunde.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/p20111017-195403/" rel="attachment wp-att-949"><img class="aligncenter size-full wp-image-949" title="p20111017-195403" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/p20111017-195403.jpg" alt="" width="640" height="389" /></a><span id="more-945"></span><br />
Alles ist weiß. Und grün. Und strahlt irgendwie. Es läuft Entspannungsmusik. Es riecht kein bisschen nach Zahnarzt. Wieso nicht? Wird hier etwa nicht ordentlich desinfiziert? Im Wartezimmer blühen Pflanzen von den Wänden. Die Sprechstundenhilfe spricht mit mir als sei sie Therapeutin. Mit sanfter Stimme und furchtbar freundlich. Ich bin nicht beim Zahnarzt, ich bin im Spa. Ehrlich! Alle sehen jung, frisch und irgendwie heiß aus. Kurz bin ich traurig, dass ich mich nicht für den behandelnden Arzt entschieden habe.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/p20111017-194835/" rel="attachment wp-att-946"><img class="aligncenter size-full wp-image-946" title="p20111017-194835" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/p20111017-194835.jpg" alt="" width="640" height="480" /><br />
</a></p>
<p>Als ich so da sitze und warte sinkt meine Laune auf minus sieben (auf einer Skala von eins bis zehn). Ich stehe auf, laufe hin und her und komme mir dabei selbst komisch vor. Hoffentlich haben die da vorne keine Kamera.</p>
<p>Meine Mutter wurde damals in der Poliklinik in Brandenburg beim Zahnarzt in Massenabfertigungshallen so gefoltert, dass sie total glücklich ist heutzutage überhaupt zu einer menschenwürdigen Behandlung gehen zu dürfen. Ihre Erinnerungen an prähistorische Dentalzeiten ändern an meinen Gefühlen aber nichts. Ich schmeiße ja auch ohne Reue Kartoffelschalen weg, während meine Oma die lieber aufheben würde.</p>
<p>Dann gehe ich aufs Klo. Auch dort läuft Musik, die Handtücher sind sauber gerollt, die Fliesen blitzen. Ich gucke in den Spiegel. Vom Kinn bis tief ins Decolletee ziehen sich dunkelrote Stressflecken. Ich sehe aus wie ein anaphylaktischer Schocker. Bleibt eigentlich noch Zeit zur Flucht? Vielleicht hätte ich die Sprechstundenhilfe am Eingang in einer starken Minute nicht vorwarnen sollen. Ich bin gefangen auf Arztcatraz. Dentophobia The Sequal.</p>
<p><a href="http://mymagictypewriter.com/zahnarzte-ein-trauma-in-weis/p20111017-200029-1-1/" rel="attachment wp-att-950"><img class="aligncenter size-full wp-image-950" title="p20111017-200029-1-1" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/p20111017-200029-1-1.jpg" alt="" width="338" height="481" /></a></p>
<p>Während ich beim<span style="color: #3366ff;"> <a title="Waxing für Anfänger" href="http://mymagictypewriter.com/waxing-fur-anfanger/" target="_blank"><span style="color: #3366ff;">Intimwaxing</span></a></span> damals die Vorteile des zu erwartenden Outcomes schon vor der Behandlung konkret benennen konnte, ist das einzige das mir zum Thema Zahnarzt einfällt: Wenn du jetzt gehst, dann <em>könntest</em> du <em>eventuell</em> weniger Schmerzen beim nächsten  Besuch haben. Das ist mir nicht konkret genug. Das rechtfertigt das Grauen nun wirklich in keinster Weise.</p>
<p>“Frau Müller bitte?“<br />
Durchatmen. Du kannst jederzeit vom Stuhl springen und die Polizei rufen. Ich gehe in den Raum und setze mich auf den hellen Lederstuhl.<br />
Frau Fleck fragt mich, warum ich da sei.<br />
“Ich will um die Uhrzeit wirklich nicht meckern, aber ich habe Panik“, sage ich, während ich die Geräte auf der Ablage vor mir scanne. „Doll.“<br />
Sie legt ihre Hand auf meinen Arm. “Wir gucken erstmal nach, Frau Müller. Sie müssen keine Angst haben.“<br />
Irgendwie ist sie sympathisch. Kann nicht viel älter sein als ich. Weiß die überhaupt wo sie hinbohren muss? Ich würde lieber mit ihr ein Bier trinken gehen.<br />
Sie guckt mir in den Mund. Ich fühle meine Stressflecken mit jedem Herzschlag aufblinken.<br />
“Ach, sie haben aber niedliche Weisheitszähne. Haben sie die schon mal gesehen?“<br />
“Nein?“ Es ist wirklich schwierig Zähne hinten oben  im Kiefer zu betrachten&#8230;<br />
Sie nimmt einen Stift mit Kamera und projiziert meinen Backenzahn auf einen 27-Zoll-Screen vor meinem Gesicht.<br />
Als ich das letzte Mal beim Zahnarzt war, hat man noch mit Hammer und Meißel behandelt. Ich bin beeindruckt. Kann ich das Bild gleich per Voice Command ins Netz beamen?<br />
Dann macht sie Fotos von einem kleinen Riss im Schneidezahn, von der Wurzelbehandlung, von der Füllung aus England (“Keine schöne Arbeit.“ &#8211; “Dafür aber umsonst.“) und von meinem einseitigen Kreuzbiss. Die Galerie meines Mundes ist wirklich nur mäßig schön. Aber irgendwie auch geil. Hatte ich noch nie gezeigt bekommen.<br />
Jeden Schritt ihrer Untersuchung kommentiert sie ausgiebig. Den Unterschied zwischen Krone und Inlay darf ich sogar selbst an einem Klappergebiss erfühlen.<br />
So schlimm war das im Nachhinein betrachtet alles gar nicht. Vielleicht aber auch nur, weil sie nur geguckt hat.</p>
<p><strong>Wer als erster errät wie viele Zähne genetisch nicht in meiner Orofazialebene angelegt sind, darf mich bei einem der folgenden Termine zum Zahnarzt begleiten: 03.11. um 13:30h, 4.11. um 8:30h oder 9.11. ebenfalls um 8:30h. </strong><br />
<strong>Meet &amp; Greet mit Frau Fleck. Good luck!</strong></p>
<p>PS: Suche Zweitjob für ein Inlay.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Forget the Horror here.</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 20:58:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ein schönes Bad in Selbstmitleid.]]></category>
		<category><![CDATA[Passt in keine Schublade.]]></category>
		<category><![CDATA[berlin]]></category>
		<category><![CDATA[cathi]]></category>
		<category><![CDATA[foals]]></category>
		<category><![CDATA[jugend]]></category>
		<category><![CDATA[kesselhaus]]></category>
		<category><![CDATA[konzert]]></category>
		<category><![CDATA[the foals]]></category>

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		<description><![CDATA[ich komme frisch aus dem mosh pit der foals. moment mal- fragt man sich da vielleicht- foals? mosh pit? ja wie geht das denn zusammen? ich weiß es auch nicht, schiebe es aber auf die jungen leute. diese dreckige spaßgeneration, die da wild rumknutschend, rauchend und morbide schwitzend vor uns rumhampelt mit ihrem kleinporigen gesicht [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/2010/12/bild1.jpg"><img title="Bild1" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/2010/12/bild1.jpg" alt="" width="450" height="338" /></a></p>
<p>ich komme frisch aus dem mosh pit der foals. moment mal- fragt man sich da vielleicht- foals? mosh pit? ja wie geht das denn zusammen? ich weiß es auch nicht, schiebe es aber auf die jungen leute. diese dreckige spaßgeneration, die da wild rumknutschend, rauchend und morbide schwitzend vor uns rumhampelt mit ihrem kleinporigen gesicht und den langen strahlenden haaren. die wollen schubsen, knutschen, beißen, pöbeln. einfach so &#8211; weil sie können&#8230; ich stehe nur da und rege mich drüber auf, dass mir jemand erst auf die feinen schuhe tritt, um mir dann das nasse haar ins gesicht zu schleudern. denen ist es egal. denen ist alles egal.</p>
<p><span id="more-413"></span></p>
<p>ich bin ja eigentlich zu alt zum moshen, aber leider auch zu groß fürs bloße rumstehen. von links nach rechts und wieder zurück muss ich mich da schubsen lassen, um meine 182 zentimeter gerecht auf die 1200 leute hinter mir zu verteilen. auf meinem weg boxe ich ab und zu wo rein. to take the edge off.</p>
<p>worum gings? ach ja &#8211; die foals. was ne band. so kleine jungs und so viele große hits. hätt ich selbst nicht besser schreiben können.</p>
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		<title>“Mein Fahrrad und ich – zusammen erleben wir die schoensten Abenteuer” (Nicola Rost, 1997)</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 12:14:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ich liebe Deutscheland.]]></category>
		<category><![CDATA[Passt in keine Schublade.]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstversuch of Death.]]></category>
		<category><![CDATA[Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.]]></category>
		<category><![CDATA[berlin]]></category>
		<category><![CDATA[bike]]></category>
		<category><![CDATA[cat]]></category>
		<category><![CDATA[fahrrad]]></category>
		<category><![CDATA[rad]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe es nicht so mit dem radfahren. Da ist schon was in meiner jugend schiefgelaufen. Bei meiner fahrradpruefung fuhr ich ueber eine rote ampel und wurde sofort disqualifiziert. Ich fand das als achtjaehrige sehr ungerecht – vor allem weil niemand sonst wiederholen musste. Der wimpel, den ich spaeter dann doch noch erhielt, strahlte zwar [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe es nicht so mit dem radfahren. Da ist schon was in meiner jugend schiefgelaufen. Bei meiner fahrradpruefung fuhr ich ueber eine rote ampel und wurde sofort disqualifiziert. Ich fand das als achtjaehrige sehr ungerecht – vor allem weil niemand sonst wiederholen musste. Der wimpel, den ich spaeter dann doch noch erhielt, strahlte zwar genauso schoen wie die der anderen, aber fuer mich war die sache gelaufen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://mymagictypewriter.com/%e2%80%9cmein-fahrrad-und-ich-%e2%80%93-zusammen-erleben-wir-die-schoensten-abenteuer%e2%80%9d-nicola-rost-1997/228282_10150184250181841_712381840_7255154_6000324_n/" rel="attachment wp-att-1064"><img class="aligncenter size-full wp-image-1064" title="228282_10150184250181841_712381840_7255154_6000324_n" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/228282_10150184250181841_712381840_7255154_6000324_n.jpg" alt="" width="648" height="648" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Jahre spaeter bin ich nun in berlin. Und arbeitslos. Das bedeutet in etwa, dass ich kein geld habe fuer extravaganzen wie u-bahn-fahren. Ausserdem muss ich ja sparen, um feiern und verreisen zu koennen. Cathi geht das aehnlich. Cathi mag fahrraeder. Deswegen kaufte sie sich eins und zwang mich aus diesem anlass auch gleich dazu. Unsere drahtigen esel fanden wir an einem sonnigen Dienstag auf dem tuerkenmarkt – oder politisch korrekter – dem markt am maybachufer. An einer bruecke standen zwilichtige gestalten und sagten dinge wie:</p>
<p>“Ksssst- braustu fahrrad?”</p>
<p><span id="more-21"></span>Brauchten wir. Laut cathi zumindest. Wenn man die geschaeftigen tuerken nach einem gruenen rad mit pinken sternen und bommeln am lenker fragte, dann verschwanden sie kurz und brachten einem ein passendes modell. Ich entschied mich fuer ein metallic-blaues gefaehrt mit weissem tribal-tattoo. Ich fand, was ich ueber meinem arsch an geweih zu wenig hatte, sollte mein rad ruhig mitbringen.<br />
“100 euro!”<br />
“20?”<br />
“Ok.”<br />
Der teuflische plan war besiegelt und ich hatte ein geklautes rad unterm hintern. Ethisch fand ich das bedenklich, aber angesichts meiner misslichen lage war ich ja an den rand der gesellschaft gedraengt worden und hatte keine andere wahl. Die ersten wochen fuhr cathi immer vor mir her. Oder hinter mir. Anders haette ich mich nicht getraut. Erschwerend kommt ja noch hinzu, dass ich eine orientierung wie ein einjaehriges kind habe. Nur schlechter. Berlins strassen sind mir ein grosses raetsel.<br />
Gestern dann war der moment gekommen, wo ich mich das erste mal traute mit meinem rad eine extensive spritztour zu machen. Alleine. Ohne cathis anweisungen von vorne. Zuerst musste ich meinen treuen stadtplan studieren. Mehrfach. Die strecken kamen mir einigermassen bekannt vor. Hatte ich mit cathi oft geuebt. Also rauf aufs fahrrad und losgefahren. Das wasser in meinem frontlicht schaukelte schoen beim stuckerpflaster. Wie ein adler hielt ich ausschau nach kleinen kindern, sich spontan oeffnenden autotueren und fussbaellen – allesamt sehr fies (erzaehlt man sich in kenner-kreisen). Bei jeder roten ampel hielt ich brav an. Schon allein, weil ich eh nicht mehr konnte. Da muss sich noch etwas mit meiner kondition aendern. Das bergige berliner land hat es echt in sich. Ich hab auch leider noch nicht rausgefunden, welcher der sieben gaenge fuer mich am wenigsten beinschmerzen und herzrasen verursachen. Note to self: fuer ein gangstudium immatrikulieren.<br />
Ich ueberholte sogar eine fahrerin. Von hinten sah sie sehr jung aus mit ihrem kurzen roten roeckchen und wehenden haaren. Als sie dann wieder an mir vorbeizog sah ich, dass sie doch irgendwie alt war. Schade – kurz hatte ich wirklich das gefuehl nicht die langsamste zu sein.<br />
Das mit dem anschliessen muss ich auch nochmal ueben. Neulich schloss ich meinen lenker an. Mit meinem jetzigen wissen betrachtet war das dann doch nicht sehr sinnvoll.<br />
Auf der nachhausefahrt hatte ich kurz mal wieder cathi dabei. Das fuehlte sich gut an. Als sich unsere wege an der sonnenallee trennten, sagte sie:<br />
“Du kommst dann hier direkt auf den hermannplatz und dann musst du&#8230;”<br />
“Ah ja. Hermannplatz. Weiss ich. Brauchste mir nich erklaern.”<br />
Schliesslich war ich ja am selben tag schonmal da gewesen. Kinderspiel. Als ich dann immer wieder um den dummen hermannplatz fuhr und alles so anders aussah in den neuen lichtverhaeltnissen, drohte ich kurz in panik auszubrechen. Ausserdem bruellte ein junger mann mir in gebrochenem deutsch zu:<br />
“Wo? Wo? Wo faehrstu? Isch hier!”<br />
Um nicht zum dritten mal an ihm vorbeifahren zu muessen, stoppte ich, japste nach luft und entfaltete meinen stadtplan. Ich fand dann doch noch nach hause. Cathi hab ich davon nichts erzaehlt. Das bleibt mein geheimnis.</p>
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		<title>Integrationsgespräch im JobCenter Berlin Kreuzberg.</title>
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		<pubDate>Fri, 21 May 2010 12:26:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jule Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ein schönes Bad in Selbstmitleid.]]></category>
		<category><![CDATA[Ich liebe Deutscheland.]]></category>
		<category><![CDATA[Manchmal arbeite ich. Echt jetzt!]]></category>
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		<category><![CDATA[hartz IV]]></category>
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		<description><![CDATA[Um zehn vor 2 schleppe ich mich das treppenhaus des jobcenters berlin kreuzberg hoch. Es riecht leicht muffig. Die wände sind von oben bis unten beschmiert. Ich finde es schön, weil das genau meinen erwartungen entspricht. Ich bleibe stehen und mache ein foto fürs familienalbum. Dann setze ich mich in den wartebereich c1 im ersten [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Um zehn vor 2 schleppe ich mich das treppenhaus des jobcenters berlin kreuzberg hoch. Es riecht leicht muffig. Die wände sind von oben bis unten beschmiert. Ich finde es schön, weil das genau meinen erwartungen entspricht. Ich bleibe stehen und mache ein foto fürs familienalbum.<br />
Dann setze ich mich in den wartebereich c1 im ersten stock. Ü25 steht an der tür. Ich nehme an das hat was mit dem alter zu tun. Ich finde das eine frechheit. Ich fühle mich noch deutlich jünger.<br />
Nun ja. Mit mir warten 2 alternative (read: ungewaschene) personen mit geknickten mappen in der hand. Nach und nach werden die beiden und vor allem sehr viele nicht vorhandene menschen aufgerufen. Ich bin erstaunt, dass alle mitarbeiter so jung und geistreich aussehen.<br />
Dann öffnet sich die zimmertür ganz nah am treppenhaus und es guckt eine rothaarige alte figur hervor. Ich erschaudere und hoffe, dass sie nicht müller aufruft.<br />
„Müller!“</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1049" title="47867_433710871442_724506442_5662662_6572557_n" src="http://mymagictypewriter.com/wp-content/uploads/47867_433710871442_724506442_5662662_6572557_n.jpg" alt="" width="580" height="580" /></p>
<p>Oha. Schade. Ich stopfe so schnell wie möglich meine leselektüre in die tasche, schnappe meinen dicken wintermantel (es ist ja erst ende mai) und folge ihr in ihre höhle, in der sie zu hausen scheint.<br />
„Also sie wollen heute ihren antrag abgeben!“<br />
Ich versuche nicht auf ihren buckel zu starren.<br />
„Ja genau.“<br />
Aus jeder pore versprühe ich professionalität und zielstrebigkeit, um eventuellem firlefanz gleich mal zu entgehen.<br />
Mit ihr zusammen fülle ich am computer meinen lebenslauf aus. Dass ich einen fertigen lebenslauf in der tasche habe interessiert nicht weiter.<br />
Während sie tippt gucke ich mir ihre gespaltenen haarspitzen an. Schön rot.<br />
Frau lehmmeyer-obhult (oha- sie hatte mal einen mann!) schwafelt etwas von arbeitsmarkt und erstattung von bewerbungskosten. Dass ich nur in berlin und umgebung arbeiten möchte (wobei umgebung ja schon gelogen ist) findet sie zwar etwas unflexibel, erlaubt mir aber mich erstmal ein paar wochen hier umzugucken, bis sie mich zu gesprächen nach wanne-eickel schickt.<br />
Als sie erwähnt, dass ich einmal pro monat vorbeischauen muss wird mir noch mal bewusst, dass diese frau nun meine ansprechpartnerin und potentielle geldhahnverstopferin ist.<br />
„Ich möchte ihnen ja hier nicht gleich ne maßnahme aufdrücken!“ sagt sie mit fies glitzernen augen. Ich hatte noch nichts verbrochen (da war ja noch nicht mal geld genehmigt) und schon wurde mir aufs schlimmste gedroht.<br />
„So. Jetzt müssen wir ihnen gleich noch ein jobangebot mitgeben, auf das sie sich dann innerhalb der nächsten woche zu bewerben haben. Wir gucken mal zusammen. Was machen sie noch mal?“<br />
„Online community management. Social networking. Marketing im weitesten sinne.“<br />
Sie tippt „online“ in ihren c64 und der wirft ihr 5 stellenangebote aus. Das ganze druckt frau lehmmeyer-obhult erstmal aus. Papierverschwendung ist hier schon wegen der 10 anderen stellenangebote, die ICH selbst gesucht hatte, definitiv von nöten.<br />
„Doch. Wir müssen das hier machen, sonst gibt’s gleich ne maßnahme.“<br />
Da war es wieder – dieses wort.<br />
Sie entscheidet sich für eine stelle. Ich überfliege kurz die beschreibung. Von „kontaktlinsenhersteller“ ist da die rede. Aber immerhin mit „online-shop“. Passt also super zu mir. Da haben wir den gordischen knoten ja schon fast entwirrt – die lehmmeyer-obhult und ich. Teamwork ist halt gefragt.<br />
„Bewerbungsmappe haben sie dabei?“<br />
„Ja. Wollen sie sehen?“<br />
„Nein.“<br />
Ich frage mich ob sie überhaupt weiß, nach was für jobs ich suche. Ich stelle mir vor wie sie mit einem iphone vor mir sitzt und tweetet.<br />
„Dann hören sie von mir mit neuen stellenangeboten und jetzt gehen sie bitte in wartebereich c7 und geben ihren antrag ab.“ Ich gucke ob unter ihrem schreibtisch ein alter besen liegt.<br />
„Schönen tag noch.“ wünsche ich und frage mich wie ich jetzt so schnell wie möglich an einen job komme, um der frau langfristig gesehen aus dem weg zu gehen.<br />
Eine treppe tiefer bleibe ich stehen und lese kurz was so an den wänden steht. Anita liebt onur.<br />
Unten angekommen wartet schon ein junger etwas schwammiger herr möller auf mich.<br />
Möller und müller. Ich bin schon mal begeistert und knöpfe mir einen knopf am hemd auf.<br />
Ich setze mich und lege den hauptantrag auf arbeitslosengeld II sowie anlagen ev, ek, vgc, tk, dlz, p7 und r2d2 und einen dicken stapel bescheide, dokumente und briefe vor.<br />
Er guckt alles durch, macht sich kopien und notizen und sagt dann<br />
„Ich sehe sie haben ihren letzten job gekündigt?“<br />
„Ja genau.“<br />
„Wurden sie bei ihrer letzten arbeitsstelle sexuell belästigt, von ihrem lebenspartner in england geschlagen oder hat ihre mutter in berlin aids, so dass sie kündigen und zurückkehren mussten?“<br />
„Nein?“<br />
„Nein?“<br />
„Nein!“<br />
„Achso, na DANN haben wir da ja ein problem. Da ziehen wir ihnen gleich erstmal 40% ab.“<br />
„Aha. 40% von wie viel noch mal?“<br />
„40% von 235 euro.“<br />
Ja super. Lohnt sich dann ja alles hier auch so richtig, denke ich und sage nichts.<br />
„Sie müssen dann noch den girokontovertrag ihrer bank nachreichen bis heute 18 uhr. Ich schreibe ihnen mal meine email-adresse auf und sie können das scannen und schicken.“<br />
Der möller nimmt einen post-it in gelb und schreibt. Er reicht mir den zettel und ich versuche vorzulesen. Er korrigiert mich, ich nehme einen stift und verbessere alle Bs, die wie sechsen aussehen.<br />
„Ist schon seit der ersten klasse so mit der handschrift.“<br />
„Na macht ja nichts.“ sage ich und frage mich, ob das jetzt diskriminierend war / klang.<br />
„Sie hören dann postalisch von uns.“<br />
Herr Möller lächelt nett, wobei ihm etwas spucke im mundwinkel hängt.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" src="http://sphotos.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc3/hs554.snc3/30329_398552596442_724506442_4816606_530861_n.jpg" alt="" width="432" height="287" /></p>
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